Fantasy Filmfest Nights 2015 – Tag 2

Der zweite Tag begann nach einer irgendwie zu kurzen Nacht dann auch schon wieder um 13 Uhr mit dem ersten Film.

Marshland

Bei Marshland handelt es sich um ein spanisches Crimedrama in den 80er Jahren kurz nach dem Ende der Militärdiktatur. Zwei Kommissare werden in eine ländliche Gegend geschickt, um dort eine Mordserie an jungen Mädchen aufzuklären. Die beiden geraten dabei mitten zwischen die Fronten eines aufkeimenden Arbeitskampfes der örtlichen Bevölkerung und generell scheinen nicht alle an der Aufklärung des Falles interessiert sein. Dazu kommt noch, dass auch die beiden Kommissare nicht die allerbesten Partner sind.
Solche Beiträge gibt es ja beim FFF häufiger – Crime-Filme aus Ländern, die man nicht immer sofort auf dem Radar hat. Und ich muss sagen, ich mag das zur Abwechslung auch mal ganz gerne. Auch wenn das solche Filme sind, die bei uns normal vielleicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen kommen, finde ich die durchaus ganz sehenswert. So auch dieser hier – die 80er-Jahre Szenerie war wirklich schön ausgestattet und die Story ziemlich spannend. Im Programmheft wird der Film von der Atmosphäre her mit True Detective verglichen – meiner Meinung nach definitiv zu Recht! Und gerade das Finale hatte wirklich schöne Bilder zu bieten. Insgesamt sicher kein Must-See aber völlig in Ordnung. 5/10.

Spring

Spring beginnt damit, dass ein junger Mann aus Kalifornien am Sterbebett seiner Mutter sitzt. Diese segnet kurz darauf das zeitliche und nachdem er am folgenden Tag in eine Kneipenschlägerei verwickelt wird, kommt der Vorschlag einer Freundin, das Land für eine Weile zu verlassen wie gerufen – auch wenn sie das eher meinte, damit er mal was anderes sieht und er das hauptsächlich wegen der Polizei tut. Er macht sich kurzerhand auf nach Italien, wo er zunächst mit zwei Briten herumzieht und kurz darauf eine junge Frau kennenlernt, die ihn sehr fasziniert. Doch diese scheint ein Geheimnis zu haben – und irgendwie trifft er sie immer nur nachts draußen an.
Wenn man bei Spring damit rechnet, den hundertsten Aufguss einer Vampirromanze zu bekommen wird man eines besseren belehrt. Ja, eine Romanze ist dieser Film definitiv, aber absolut nicht schnulzig, im Gegenteil. Der Mystery-Aspekt um die Frau sorgt schon sehr gut dafür. Außerdem ist sie eben auch nicht die Art von Monster, die man erwartet hat. Und auch die wirklich schönen Landschaftsbilder des ländlichen Italiens in der Gegend um den Vesuv sind ein echtes Argument für diesen Film. Ich mochte die sehr ruhige Erzählweise, die ein bischen an eine vollkommen entspannte Reise erinnert. Wer gegen eine Romance-Komponente im Film nichts einzuwenden hat, der kann hier eigentlich nicht viel falsch machen. 8/10.

Automata

Automata ist auch einer dieser “größeren” Titel, alleine schon wegen Antonio Banderas als Teil des Casts. Wir befinden uns hier im Jahr 2044 in dem die Erde durch Sonnenstürme weitgehend verwüstet wurde und die verbleibenden Menschen (ca. 20 Mio.) in gesicherten Städten mit künstlicher Beregnung wohnen. Ein Konzern namens ROC hat zuvor Roboter mit künstlicher Intelligenz eingeführt, die den Aufbau der Städte durchgeführt haben und nun für alle möglichen Serviceaufgaben eingesetzt werden. Dabei ist sehr wichtig, dass die Roboter zwei Direktiven fest integriert haben – sie können keinen Lebewesen Schaden zufügen und sich nicht selbst verändern oder reparieren. Eines Tages wird dann einer der Versicherungsagenten dieses Konzerns auf einen Roboter aufmerksam der offenbar die zweite – unabänderliche Direktive – umgehen konnte und sich repariert hat. Die Untersuchung führt dann aber schnell zu persönlichen Gefahren für ihn und seine Familie.
Automata hat einen großartigen Anfang in einer dystopischen Stadt, die so düster wirkt, als wäre sie aus Blade Runner oder Shadowrun. Überall Müll, Armut direkt vor den Türen und riesige holografische Werbung, dazu Zeppeline über der Stadt die für die Bewässerung sorgen. Alleine dafür lohnt es sich einen Blick auf den Film zu werfen. Die eigentliche Story wankt ein wenig zwischen Noir-Detektivstory in der ersten Hälfte und Western in der zweiten Hälfte, was aber nicht schlimm ist. Der Film war definitiv unterhaltsam, auch wenn er keine wirklich neue, innovative Story bring. Die Roboter sahen interessant aus und auch die Idee mit den fest integrierten unveränderlichen Direktiven war interessant und auch die Unabänderlichkeit wurde tatsächlich halbwegs sinnvoll erklärt – damit habe ich nicht gerechnet. Wenn man einmal von der offensichtlich blödsinnigen Prämisse mit den Sonnenstürmen absieht und davon, dass die Kommunikation auf der Erde wegen „atmosphärischen Störungen“ nur noch mit Pagern erfolgen kann, dann ist das ein ziemlich spannender Film. 7/10.

A Girl Walks Home Alone At Night

Der definitive ungewöhnlichste Beitrag dieses Jahr – ein Schwarz-weisser Vampirfilm auf Farsi in einer amerikanischen Stadt mit überwiegend arabischen Schriftzeichen.
Die Handlung dreht sich um das titelgebende Girl, eine junge Vampirin, die des Nachts auf Beutezug geht. Daneben gibt es dann noch einen jungen Mann mit einem schicken Auto und einem drogenabhängigen Vater. Die Schulden des Vaters sorgen dafür, dass er dann Probleme mit dessen Dealer bekommt und sein Auto verliert. Und wenig später sollen sich dann auch die Pfade von ihm und der Protagonistin kreuzen.
Puh… ich weiss immer noch nicht genau was ich sagen soll. Ich wollte den Film wirklich mögen, gerade weil ich die Idee supercool finde. Optisch ist es auch unheimlich faszinierend, den Bildern zu folgen. Allerdings: Ich fand die Handlung sterbenslangweilig. Die Geschichte floss so zäh dahin, dass ich nur schwer wachbleiben konnte. Ich mag normalerweise ja solche eher-arthousigen Streifen, aber, wie jemand im Anschluss zu mir sagte, der war für mich dann wohl „zu arthousig“ – was ich genau in diesen Worten schon während des Films gedacht hab. Vielleicht gebe ich dem Film noch eine Chance zu späterer Zeit, momentan war das für mich jedoch leider ein ziemlicher Ausfall. Sehr subjektive 3/10.

Tusk

Den Abschluss bildete der neue Film von Kevin Smith, der Auftakt seiner Great White North Trilogie, Tusk. Ein Film der aus einer spontanen Idee während eines Podcasts entstand, in dem ein irrer alter Mann, gespielt vom großartigen Michael Parks, einen jungen Mann in ein Walross verwandeln will. Die Geschichte dreht sich um einen Podcaster, der nach Canada fliegt und dort auf den von Parks gespielten Mann trifft um ihn zu interviewen, doch der hat ganz andere Pläne.
Zugegeben, die Story ist verrückt, sehr sogar. Aber wenn man Kevin Smith generell mag und insbesondere seinen Humor schätzt – was ich tue – dann ist dieser Film wirklich empfehlenswert. Er ist zwar keine Komödie wie die meisten seiner Vorgänger, aber dennoch hat man viel Grund zu lachen. Im Gegensatz zu The Human Centipede, der einen ähnlichen Handlungsstrang als Basis hat und gestern auch öfter von anderen Zuschauern als Vergleich bemüht wurde, ist er nicht einfach nur eklig und fies, sondern in erster Linie so grotesk, dass man mehr lachen als sich gruseln muss. Und auch die Nebenrolle von Guy LaPointe, dem franko-kanadischen Inspektor, war herrlich und lockerte den Film auf.
Ich hatte die Bluray jetzt schon eine Weile zu Hause herumliegen und habe sie mit Absicht nicht geguckt, um den Film jetzt im Kino zum ersten Mal sehen zu können und das hat sich gelohnt. Auf der großen Leinwand und mit dem richtigen Publikum ist es einfach noch was anderes. Einer meiner Lieblingsfilme von diesen Nights. 8/10.

So, das war es dann auch schon wieder. Zur Zeit sitze ich noch bei einer Werkstatt in der Nähe von Hamburg um das Info-Display in meinem Auto reparieren zu lassen und dann geht es auch bald schon wieder nach Hause. Nun heisst es wohl erst einmal wieder abwarten, was der Sommer so hergibt, vielleicht fahre ich dann dieses Jahr doch nochmal wieder einen oder zwei Tage hin.