Fantasy Filmfest Nights 2015 – Tag 1

Da haben wir auch schon wieder Frühjahr und das ist für mich, wie jedes Jahr, wieder ein gutter Grund nach Hamburg zu den Fantasy Filmfest Nights zu fahren. Nachdem ich im letzten Jahr das Festival im Sommer bis auf zwei Tage auslassen musste, wieder einmal eine schöne Gelegenheit einige neue Filme zu sehen. Das Festival im Sommer funktioniert für mich seit der Ausdehnung auf 10 Tage nicht mehr. Das sind dann einfach zu viele Tage am Stück und zudem kann man nun ja auch nicht mehr zwischen zwei Filmen wählen sondern muss entweder alles gucken oder hat Lücken im Programm. Für mich beides nicht besonders optimal. Die Nights nehme ich aber trotzdem gerne weiter mit :)

Cub

Den Beginn machte ein belgischer Film über eine Gruppe von Pfadfindern, die in den Wald zu einem Zeltlager fahren. Leider ist der eigentlich geplante Zeltplatz von der örtlichen Dorfjugend belegt, die mit einem Buggy im Kreis fahren. Was man halt so tut in Belgien als Jugendlicher. Schätze ich.
Der schnell ausgewählte Alternativplatz besteht aus einer Lichtung im Wald, wo auch schnell das Lager aufgebaut wird. Das in der direkten Umgebung Selbstmorde stattfanden als die örtliche Busfabrik geschlossen wurde, ist bestimmt nicht weiter wichtig.
Ich war angenehm von dem Film überrascht. Filme mit vielen Kindern in tragenden Rollen finde ich meist schwierig, aber hier war das überhaupt kein Problem. Die Story war gut und dicht erzählt ohne dass sie sich unnötig hinzog. Auch die Locations waren wirklich toll gewählt, insbesondere die Stadt am Anfang mit den vielen Industrieruinen sah beeindruckend aus. Das Ende war überraschend gut und nicht unbedingt wie erwartet – und dem Titel kommt hier noch einmal eine zusätzliche Bedeutung zu.
Man braucht jetzt zwar keinen wirklichen Geheimtipp erwarten, aber dennoch ein netter Einstieg und für einen 13:00 Uhr Film völlig in Ordnung. 6/10.

The Guest

Einer der Filme, wo ich mich wegen des Regisseurs bereits drauf gefreut hatte war The Guest. Adam Wingard hatte vorher den großartigen You’re Next gemacht und daher hatte ich auch recht hohe Erwartungen an diesen hier.
Der Film handelt von einer Familie, die ihren Sohn verloren hat, da dieser in der Army gedient hatte und im Mittleren Osten umgekommen ist. Die Mutter trauert immer noch, doch eines Tages steht ein sehr höflicher, junger Mann namens David vor der Tür, der behauptet, in derselben Einheit wie ihr Sohn gewesen zu sein. Er wurde gerade aus dem Dienst entlassen und ist nun noch unsicher was er als nächstes tun soll, also wird er kurzerhand im alten Zimmer des Sohnes einquartiert und soll ein paar Tage bei der Familie wohnen. Der Tochter allerdings ist unsicher ob alles an der Story des Mannes stimmt und stellt ihre eigenen Nachforschungen an. Das soll allerdings nicht ohne Folgen bleiben.
Also: The Guest macht großen Spaß, insbesondere wegen seiner undurchsichtigen Story. Die Umstände des Eintreffens des Hausgastes bleiben über weite Teile des Films unklar und man rätselt die ganze Zeit, warum er nun dort ist. Die Tochter ist clever und ein guter Gegenspieler für David, sodass es nie langweilig wird. Insgesamt mochte ich You’re Next noch ein kleines bischen lieber, gerade wegen der Charaktere die hier nicht ganz so gut ausgearbeitet wurden, da einfach die Zeit fehlt. Trotzdem ein toller Film. 7/10.

German Angst

Ein deutscher Genre-Beitrag, wie selten! Und was für einer. German Angst ist eine Anthologie aus drei Filmen von den deutschen Filmemachern Jörg Buttgereit, Michal Kosakowski und Andreas Marschall. Der erste Beitrag „Final Girl“ handelt von einem Mädchen in einer Wohnung und ihrem Meerschweinchen. So in etwa. Und es kommen noch diverse Küchengeräte und ein Mann im Nebenzimmer darin vor. Im zweiten Teil „Make a Wish“ geht es um ein taubstummes Pärchen und fiese (Neo-)Nazis und im dritten Film „Alraune“ um Pflanzen die Phantasien erfüllen und einen geheimnisvollen Club.
Zugegeben, der Film ist definitiv nichts für jeden. Gerade der erste Teil dürfte recht kontrovers diskutiert werden. Ich fand ihn aber klasse. Erstmal mag ich Episodenfilme ja sowieso gerne. Und davon mal ab waren die Effekte, insbesondere bei Final Girl wirklich gut. Ich finde es erfrischend solche Filme aus Deutschland zu sein, endlich mal etwas abseits von Komödien und Historienfilmen. Der zweite Teil war weniger von seiner Darstellung der Gewalt sondern mehr von der Story her interessant. Der dritte Teil ging dann mehr ins phantastische und bot einen netten Kontrast. Das Q&A im Anschluss war zudem auch wirklich unterhaltsam, denn dort erfuhr man zum Beispiel dass die Macher den Film in einer Tradition mit deutschen Horrorfilmen der 20er Jahre wie z.B. Nosferatu sehen. Ich hoffe, dass German Angst nur der Auftakt für mehr deutsche Genrefilme sein wird. 8/10.

Und ich hab meine Nekromantik Bluray signiert bekommen, juhu! :)

Nekromantik Bluray

The Lazarus Effect

Der Film über den ich im Vorfeld schon am meisten wusste, weil ich den Trailer immerhin schonmal gesehen hatte war The Lazarus Effect. Hier geht es um eine Gruppe von Forschern, die ein neues Serum untersuchen, mit welchem man möglicherweise Verstorbene ins Leben zurückholen kann. Ihre Experimente beschränken sich jedoch auf Tiere und eines Tages klappt es tatsächlich – ein toter Hund wird wieder lebendig und zeigt zunächst keine Anzeichen von Problemen. Als jedoch eine der Wissenschaftlerinnen tödlich verletzt wird, kommt es zu einer folgenschweren Entscheidung.
Ich denke, dieser Film war einer, wenn nicht sogar der bekannteste Film des Festivals, nicht zuletzt durch Olivia Wilde in einer Hauptrolle. Daher ist es meiner Meinung nach auch der „mainstreamigste“ Film in der Auswahl. Das muss nichts schlechtes heißen, war es in diesem Fall auch nicht, jedoch hatte der Film auch nur wenige Ecken und Kanten und war relativ „glatt“. Die Story war wenig innovativ aber dennoch spannend und es gab auch durchaus einige gute Schockmomente. Solider Film, vielleicht nicht unbedingt fürs Kino notwendig, aber dennoch gut anzuschauen. 6/10.

Wyrmwood – Road of the Dead

Den Abschluss des Tages bildete Wyrmwood, ein australischer Zombie-Roadmovie. Hier beginnt die Zombieapokalypse gleich zu Anfang des Films und dreht sich um einige Charaktere die im Laufe des Films aufeinandertreffen werden. Ein Familienvater und dessen Schwester sind die zentralen Charaktere und dann gibt es da noch diesen verrückten Wissenschaftler, der irgendwie nach einer Mischung aus Dr. Seltsam und Dr. Mengele aussieht.
Eigentlich hat man bei Zombiefilmen ja schon alles gesehen, gefühlt jedenfalls. Dennoch schaffte es dieser Film ein paar neue Ideen aufzugreifen und in einer unterhaltsamen Story unterzubringen. So gibt es hier ganz neue Einfälle zum Thema Fortbewegung in Zeiten der Zombieapokalypse. Kurzweilige Unterhaltung ohne viel drumherum, gut für zwischendurch mal. 5/10.

Das wars dann auch schon wieder für den ersten Tag, heute geht es dann ab 13 Uhr weiter mit der zweiten Hälfte. Ich bin schon gespannt, ein paar Titel klangen recht vielversprechend :)