Fantasy Filmfest 2013 – Tag 5

Tag 5 begann schon recht früh um 12:30 mit dem indischen Film Makkhi. Hier geht da darum, dass ein junger Mann in seine Nachbarin verliebt ist, diese ihn aber völlig ignoriert, obwohl er ihr eigentlich gefällt. Eines Tages beginnt ein Industrieller sich für sie zu interessieren, bemerkt dann aber, dass sie insgeheim ihren Nachbarn mag. Daraufhin bringt er diesen einfach um. Praktischerweise gibt es in Indien jedoch die Wiedergeburt und so kehrt er als Fliege (ind.: Makkhi) zurück um ihn zu terrorisieren und sich an ihm zu rächen.
Normalerweise mache ich um indische Filme nach Möglichkeit einen weiträumigen Bogen. Permanentes Getanze und Gesinge muss ich nicht haben. Hier war allerdings schon der Trailer so unterhaltsam und die Story laut Programmheft so abgedreht, dass ich mir diesen Film anschauen musste. Und er hat mir tatsächlich wirklich gut gefallen.Tanzen hält sich bis auf am Anfang und am Ende weitestgehend in Grenzen und die Story ist spannend. Es macht einfach Spaß der Fliege dabei zuzusehen, wie sie sich immer neue Gemeinheiten ausdenkt und ihr Opfer langsam aber sicher Wahnsinnig werden lässt. Dies ist mal wieder einer dieser Filme auf die ich ohne das FFF niemals gestoßen wäre. Wäre schade drum gewesen. Wertung: 8/10.

Anschließend lief Cheap Thrills. Ein reiches Pärchen trifft in einer Bar einen Typen, der gerade seinen Job verloren hat und dessen kleinkriminellen Schulfreund. Sie trinken zusammen, da die junge Dame am Tisch Geburtstag habe und beginnen mit Wetten auf verschiedenste Mutproben. Da beide Gäste in Geldnot sind machen diese bereitwillig mit und als sich die Party in das Haus des Pärchens verlagert, werden die Wetten immer extremer.
Andere Jahre habe ich es mir zur Grundlage gemacht, dass ich mir die Kurzfilme (Get Shorty) immer direkt in der ersten Vorstellung und nicht in der Wiederholung gucke. Anfangs hatte ich das auch für dieses Jahr so geplant, aber als ich mir Alternative angeschaut habe, musste ich mich dann doch umentscheiden und die Kurzfilme in die Wiederholung verlegen. Cheap Thrills hatte mich schon damit überzeugt, als ich Sara Paxton in der Besetzungsliste fand. Ihre Rolle war klasse und völlig anders als bei den letzten beiden Filmen mit ihr, die ich gesehen habe (The Innkeepers, Shark Night 3D) – ich hab sie hier erst garnicht erkannt. Auch der Film an sich ist klasse und herrlich böse. Die beiden Mittellosen machen bereitwillig bei jeder noch so absurden und gefährlichen Aktion mit und es zeigt sehr schön, wie weit Gier die Leute treibt. Mir kam anschließend eine Fernsehsendung in den Sinn, die vor Jahren mal bei Kalkofes Mattscheibe vorkam. Darin wurden Passanten gegen Geld zu ekligen Mutproben überredet wie z.B. sich in einem Planschbecken mit Gülle übergießen zu lassen. Irgendwie ist der Film nicht so weit von der Realität entfernt wie man das gerne hätte. Wertung: 7/10.

Als drittes kam The Body. Ein spanischer Crime-Thriller, in dem die Leiche einer reichen Geschäftsfreu aus der Pathologie verschwindet. Man erfährt schnell, dass ihr Mann sie umgebracht hat um mit seiner Geliebten zusammen zu sein, die Polizei tappt jedoch immer noch im Dunkeln und geht von einem natürlichen Tod aus. Trotzdem wird der Mann das Gefühl nicht los, dass seine Frau eventuell doch noch lebt und sich nun an ihm rächen will.
Ich hatte erst Zweifel bei diesem Film, da mich die Tatsache, dass er aus Spanien stammt und in der Pathologie spielt irgendwie unterbewusst an einen ziemlich schlechten Film errinnert hat, den ich vor ein paar Jahren gesehen haben, auf den auch die beiden Attribute zutrafen. (Ich glaube, es war Exquisite Corpse beim FFF 2010) – Ansonsten haben die beiden Filme aber definitiv nichts gemeinsam, denn dieser hier ist wirklich klasse. Die meisten Szenen sind ziemlich düster und so ca. jeder Beteiligte schleppt irgendein Geheimnis mit sich herum. Und als Zuschauer rätselt man bis ganz zum Ende was wirklich passiert ist und liegt sehr wahrscheinlich doch falsch. Wertung: 8/10.

Danach war ich dann nur noch in Saal 1. Dort kam zunächst Byzantium, die Geschichte von zwei Vampirinnen, die in Südengland von Stadt zu Stadt ziehen, um nicht aufzufallen. Die beiden geben sich als Schwestern aus, obwohl die ältere der beiden die Mutter der anderen ist. Die Mutter sorgt durch Prostitution für ein Einkommen. Ihre Tochter ist sehr nachdenklich und schreibt ihre Geschichte immer wieder in ein Buch um dann die Seiten im Wind zu verstreuen, da sie diese Geschichte niemandem erzählen kann. Als sie dann in eine neue Stadt kommen, finden sie eine vorerst dauerhafte Bleibe in einem heruntergekommenem Hotel, dem Byzantium.
Ich war zunächst skeptisch, da mein Bedarf an netten, zivilisierten Vampiren in letzter Zeit weitgehend ausreichend gedeckt war. Und doch war ich begeistert von diesem Film. Die Story ist leicht melancholisch aber nicht zu sehr runterziehend und die Besetzung mit Gemma Arterton und Saoirse Ronan war toll. Vor allem die Bilder waren dann auch perfekt für eine derartig große Leinwand geeignet. Eines meiner Festival Highlights. Wertung: 9/10.

Als vorletzter Film kam Sweetwater, ein Western. In einem kleinen Dorf im Südwesten der USA lebt ein mexikanischer Farmer mit seiner Frau. An deren Land grenzt das Land von einem religiösen Prediger, der vor wenig zurückschreckt um seine Ziele zu erreichen. Unter anderem findet er zum Beispiel, dass seine Nachbarn da ein ziemlich schönes Stück Land haben. Als der Farmer dann eines Tages verschwunden ist und nicht mehr nach Hause kommt, zieht seine Frau los um ihn zu suchen. Als sie herausfindet, dass er ermordet wurde, beschließt sie sich, an den Verantwortlichen zu rächen.
Noch so ein Kandidat der durch seine Bilder wirklich für Saal 1 gemacht wurde. Ein richtig guter Western mit einer January Jones als sympatischer Hauptdarstellerin und einigen herrlich seltsamen Charakteren. Schwer unterhaltsam und sehenswert. Wertung 8/10.

Den Abschluss bildete Raze. Eine Gruppe von reichen Leuten die offenbar sonst nichts zu tun hat, sperrt wahllos Frauen in einem unterirdischen Gefängnis ein und lässt diese unter Bedrohung der Leben ihrer Angehörigen auf Leben und Tot gegeneinander kämpfen.
Ein guter Grindhouse-Film mit Zoe Bell als Tagesabschluss. Obwohl über längere Zeit nicht viel mehr passiert, als Frauen die einander kapputthauen, wird es nicht langweilig, weil in den Zwischensequenzen die Charaktere gut differenziert werden und man ein Interesse am Überleben der einen oder anderen entwickelt. Zwar sind einige Stereotypen dabei, aber das stört nicht weiter. Gegen Ende gibt es dann natürlich auch noch den erwarteten Rachefeldzug. Wertung: 7/10.