Fantasy Filmfest 2013 – Tag 4

Samstag begann mit Jug Face, in dem es darum geht, dass eine kleine White Trash Gruppe irgendwo in den Wäldern lebt und eine eigenartige Abhängigkeit von einer Grube im Wald entwickelt hat. Einer der Leute töpfert von Zeit zu Zeit Krüge mit Gesichtern drauf und wer darauf abgebildet ist, muss der Grube geopfert werden. Im Gegenzug heilt die Grube Kranke und kümmert sich auch sonst um die Probleme. (Das klingt irgendwie bescheuerter als es eigentlich wirkte ;) ). Als ein junges Mädchen dann jedoch ihren Krug entdeckt, versteckt sie diesen bevor er gefunden wird und verärgert die Grube damit ziemlich.
Eine, wie schon bemerkt, ziemlich abgedrehte Story. Jedoch wirkte das im Film durchaus stimmig und die Ehrfurcht der Leute vor der Grube hatte etwas quasi-religiöses an sich. Das Ende gefiel mir nicht so besonders und insbesondere die Mutter des Mädchen kam viel zu gut weg. Leider fehlte dem Film so ein bischen eine Aussage, abgesehen von „Opfere der Grube regelmäßig die Leute die sie verlangt und alles wird gut.“. Insgesamt trotzdem sehenswert. Wertung: 6/10.

Anschließend lief Fresh Meat. Ein junges Mädchen kommt vom Internat nach Hause und stellt fest, dass ihre Familie deren Ernährung auf Menschenfleisch umgestellt hat. Parallel dazu befreien einige Kriminelle einen Gefangenen während eines Gefangenentransportes und flüchten mit ihm. Kurz darauf kreuzen sich die Wege, als die Kriminellen in das Haus der Familie flüchten und diese als Geiseln nehmen. Die Dinge werden für alle plötzlich sehr kompliziert, als die Eltern Hunger bekommen und die Tochter die Anführerin der Kriminellen ziemlich niedlich findet.
Schwer unterhaltsamer und gut gemachter Film. Die Handlung spielt fast vollkommen im Haus der Familie und somit kommen nur eine Handvoll Chraktere vor, die viel Zeit zum entwickeln haben. Hegt man anfangs noch größere Sympathien für den Vater der unter seiner viel erfolgreicheren Ehefrau zu leiden hat, so wechselt dies später schlagartig. Die sich entwickelnde Beziehung der Tochter mit der Verbrecherin ist einer der roten Fäden, die sich durch den Film ziehen. Die Effekte sind in Ordnung und an den richtigen Stellen ist passender Humor eingestreut – wenn auch das später stattfindende Abendessen der Familie für mich irgendwie bedrückend und lustig zugleich war. Auf jeden Fall eine positive Überraschung, Wertung: 7/10.

Daraufhin habe ich mir I Declare War angesehen. Eine Gruppe von Kindern spielt mit selbstgebastelten Waffen im Wald Krieg. Wie bei jedem guten Krieg gibt es auch hierbei Regeln an die sich alle zu halten haben. In einer der beiden verfeindeten Gruppen gibt es jedoch bald einen Putsch und einer der vormals Untergebenen übernimmt die Kontrolle. Dieser hat keine Absichten sich an die Regeln zu halten.
Da die Alternative in Love Eternal bestanden hätte, der mich inhaltlich und auch vom Trailer her so überhaupt nicht angesprochen hat, habe ich mir diesen Film angesehen ohne viel zu erwarten. Das Ergebnis war eine durchweg positive Überraschung. Die Handlung war spannend und die Schauspieler waren nicht schlecht. Der Film arbeitete immer wieder mit Bildern aus der Vorstellung der Kinder in denen sich Äste und mit Klebeband umwickelte Hölzer in Pistolen, Gewehre und eine Panzerfaust verwandelten. Der Anführer der „feindlichen“ Gruppe entwickelt während des Films leicht psychopathische Züge und hat mich ein oder zweimal leicht an die Rolle des Colonal Kurtz aus Apocalypse Now errinnert. Wertung 6/10.

Als Nächstes kam In the Name of the Son. Eine tief gläubige Mutter verliert zunächst ihren Ehemann durch einen Unfall und dann ihren Sohn durch Selbstmord, nachdem er ihr von seiner Liebe zu einem Priester erzählt, der zeitweise in deren Haus gewohnt hatte. Nach und nach beginnt ihr Glaube ins Wanken zu geraten und als der örtliche Bischoff ihrem Sohn die Schuld gibt und ihn beleidigt, schlägt sie ihn kurzerhand nieder. Praktischerweise hat er kurz vorher noch eine Mappe mit den Namen von pädophilen Priestern auf den Tisch geworfen…Eine extrem schwarze Komödie/Drama von einem belgischen Regiesseur bei dem er massive Kritik an der Kirche übt. Zentrales Element ist die Radiotalksendung der Mutter, die dort mit Anrufern über deren Sorgen und Probleme spricht und eigentlich nur leere Worthülsen ohne Bedeutung als Antwort gibt. Zudem greift der Film die Wissenschaftsfeindlichkeit und Leugnung von Tatsachen in Form von Kreationismus auf. Es ist faszinierend mit anzusehen, wie der Mutter immer mehr zugemutet wird und nach und nach ihr Weltbild zusammenbricht. In gewisser Hinsicht hatte dies Ähnlichkeit it A Serious Man, in dem einem gläubigen Juden immer mehr negative Dinge passieren und seine Kirche ihm keinerlei Hilfe bietet. Ist in A Serious Man allerdings Resignation und Verzweiflung das Resultat, so ist es hier eine äußerst spannender Rachefeldzug. Der Regisseur war bei der Vorführung anwesend und stand hinterher für ein Q&A zur Verfügung. Der Film lief im belgischen Original und leider waren die englischen Untertitel in der Zeile vertauscht. So stand die untere Zeile oben und umgekehrt. Besser als alle bisherigen Untertitelfehler, aber trotzdem nervig. Der Regisseur meinte vor dem Film, dass Gott ihn ärgern wolle ;) Wertung: 8/10.

Daraufhin lief Aftershock, in dem sich eine Gruppe von Touristen in Chile befindet und dort durch Discos zieht. Nach einem Erdbeben und einer Tsunami-Warnung muss sie dann vor ausgebrochenen Gefangenen flüchten, die marodierend durch die Stadt ziehen.
Der Film wurde von Eli Roth mitgeschrieben und mitproduziert und er spielt selber eine der Rollen. Insgesamt war der Film in Ordnung, wenn auch nicht besonders innovativ. Dies lässt sich auch an der recht kurz zusammenfassbaren Handlung feststellen. Trotzdem wurde die Geschichte spannend erzählt. Wertung: 5/10.

Als letzter Film lief dann Dark Touch. Ein Mädchen verliert ihre Eltern und ihren kleinen Bruder, da immer, wenn sie wenn sie sich fürchtet und weint, die Gegenstände im Haus verrückt spielen und durch die Gegend geschleudert werden. Sie kommt daraufhin vorrübergehend zu Freunden ihrer Eltern die sich gut um sie kümmern, doch plötzlich bewegen sich auch dort Dinge von ganz allein.
Ich war verhältnismäßig müde und nicht mehr besonders aufnahmefähig, was für die Story aber auch nicht wirklich nötig war. Allerdings zündete der Film bei mir nicht so richtig. Ernsthaft gruselig wurde er nicht und die Geschichte entfaltete sich sehr bedächtig und brauchte lange bis sie zum Punkt kam. Einzig die Frage, was nun genau mit dem Mädchen los ist, hat mich davon abgehalten einzuschlafen und die Erklärung am Ende war halbwegs vorhersehbar. Insgesamt annehmbar, muss man aber nicht gesehen haben. Wertung 3/10.