Fantasy Filmfest Nights 2013, Tag 2

Da sind die Nights auch schon wieder vorbei und ich bin wieder zu Hause.

Der gestrige Tag begann mit Painless, einer spanischen Produktion, die in zwei Zeitlinien, einer zwischen 1930 und 1960 und einer heute, spielt. Es geht darum, dass einige Kinder in einer abgelegenen Region im Spanien der 30er Jahre keine Schmerzen empfinden können. Man sperrt sie deshalb in eine Anstalt, da sie nach Meinung der Verantwortlichen eine Gefahr für sich und andere darstellen. In der heutigen Zeit beginnt ein Arzt dann auf Grund einer bei ihm festgestellten Krebserkrankung nach passenden Knochenmarkspendern zu suchen und stößt dabei auf ein altes Geheimnis.
Der Film war okay…ish. Nichts überraschendes, ich habe aber auch nicht unbedingt mit viel dabei gerechnet. Die Story war relativ vorhersehbar, die Schauspieler angemessen besetzt. Allenfalls das Ende war ein wenig fragwürdig. Ein Problem, mit dem der Film bei unserer Vorführung zu kämpfen hatte, lag daran, dass Bild und Ton nach kurzer Zeit asynchron liefen. Ein Projektorneustart behob das immer wieder kurzzeitig, jedoch meist für ca. 10 Minuten. Der Zeitunterschied lag dann schnell wieder bei bis zu 5 Sekunden. Dies war trotz der Tatsache dass er auf Spanisch lief ein Problem, da insbesondere die Geräusche dadurch ebenfalls versetzt kamen. Dies kann man dem Film jedoch nicht anlasten, schade war es trotzdem. Insgesamt ist es kein Verlust wenn man ihn nicht gesehen hat, man macht aber auch keinen großen Fehler damit. Wertung: 4/10.

Der zweite Film des Tages war No One Lives, ein Film über eine Gangsterbande, einen Serienkiller/Psychopathen und seine Geisel. Alle genannten treffen ärgerlicherweise aufeinander und wie der Titel vermuten lässt gibt es nicht wenige Tote.
Insgesamt unterhaltsam, spannend erzählt und kurzweilig mit einem sehr bösen Antagonisten. Durch die ländlichen Locations nicht ganz so düster und dreckig wie Kitamuras Vorgänger, The Midnight Meat Train, aber trotzdem bedrohlich. Wertung: 6/10.

Anschließend lief die Fortsetzung von The Collector, The Collection, der ein wenig in Saw-manier von einem Serienkiller mit wenig freundlichen Basteleien und einer Vorliebe für Transportkisten handelt. In dieser Fortsetzung wird die Tochter eines reichen Mannes von einer Party entführt und ihr Vater setzt daraufhin einen Privatdetektiv/Söldner/something darauf an, sie zu befreien. Dieser begibt sich mit seiner Gruppe und mit Hilfe eines vorherigen Opfers in das Versteck des Killers, um nach der Vermissten zu suchen. Leider finden sich auch in dem Versteck ein paar Fallen.
Ich mag die beiden Collector-Filme etwas lieber als die späteren Saw-Sequels, da hier der Fokus nicht so übermäßig stark auf dem Torture-Porn Teil liegt. Die Fallen und Hindernisse sind nicht reiner Selbstzweck und so konzentriert sich die Handlung mehr darauf, durch das Labyrinth zu kommen. Hübsch war in jedem Falle die Anlage zu Beginn mit dem (glaube ich) Mähdrescher-Dings über der Tanzfläche. Solide Fortsetzung des Vorgängers. Wertung: 5/10.

Der vorletzte Film war The Seasoning House. Er spielt im Balkan, Ende der 90er und handelt von einem gehörlosen Mädchen, dass von Soldaten in ein Bordell verschleppt wird. Der Besitzer setzt sie dann dazu ein, die anderen Mädchen im Haus mit Drogen gefügig zu machen und für Ordnung im Haus zu sorgen. Durch ihre geringe Größe kann sie allerdings durch die Lüftungsschächte im Haus kriechen und als ein Neuzugang ebenfalls Gebärdensprache spricht, hat sie etwas Hoffnung auf eine Fluchtmöglichkeit. Allerdings taucht dann plötzlich ihr früherer Entführer auf.
Ein an vielen Stellen wirklich unangenehmer aber trotzdem guter Film der über weite Strecken mit keinen oder nur wenigen Dialogen auskommt. Die Hauptdarstellerin spielt ihre Rolle sehr überzeugend. Beeindruckend fand ich, wie der Film für den Betreiber des Bordells, im Vergleich zu seinen „Gästen“, stellenweise etwas Sympathie durchscheinen ließ, was dann gegen Ende ins völlige Gegenteil umschlug. Bei diesem Film war der Regisseur, Paul Hyett, anwesend und hat in einem Q&A im Anschluss noch einige interessante Details erzählt, wie u.a. der absichtliche Einsatz von blassen Farben, was mir bereits während des Films aufgefallen war. Definitiv sehenswert, aber vielleicht nicht unbedingt für einen netten Filmabend mit Freunden geeignet. Wertung: 7/10.

Den Schluss bildete dann schließlich (passenderweise) John dies at the End. Eine, wie in der Ankündigung vor dem Film genannte, „Mischung aus Ghostbusters und Fear and Loathing in Las Vegas“. Insbesondere an letzteren fühlte ich mich stellenweise errinnert.
Der Film handelt davon, wie David Wang einem Journalisten davon erzählt, wie er nach dem Ausprobieren einer neuen Droge dazu beigetragen hat, das Universum zu retten, denn die Dinge, die er danach plötzlich zu sehen anfing, stellen sich als ziemlich real heraus – oder vielleicht auch nicht.
Ein herrlich absurder Film, der neben Fear and Loathing in Las Vegas vielleicht auch noch mit Kaboom und Detention verglichen werden kann. Man findet nicht so recht heraus, was nun wirklich passiert, was aber nicht so schlimm ist, da es für die beiden Protagonisten, den titelgebenden John und David, trotzdem sehr real ist. Gute Unterhaltung und ein klasse Abschluss. Wertung: 8/10.

Insgesamt keine schlechte Auswahl dieses Jahr. Laut Aussage der Veranstalter sollen die Zahlen für Hamburg dieses Jahr am besten gewesen sein, ausverkauft war aber glaube ich keine Vorstellung, was auch der Grund sein dürfte, warum die Screenings ausschließlich in Saal 8 im Keller liefen. Von Seiten des Kinos fand ich es dieses Mal etwas lieblos, dass das Display vor dem Saal nicht mal mehr das FFF-Plakat und den Filmtitel sondern die ganze Zeit über nur „Heute keine Vorstellung“ anzeigte.
Jetzt wird es Zeit dass es August wird, ich bin schon gespannt drauf, was im Sommer so läuft. Im Rahmen der Ansagen zum letzten Film wurde u.a. Wrong, der neue Film von Quentin Dupieux angekündigt, welchen ich allerdings schon letztes Jahr beim Filmfest Oldenburg gesehen habe. (Ist aber ein guter Film!)

Fantasy Filmfest Nights 2013, Tag 1

Ich bin zurzeit gerade wieder in Hamburg bei den diesjährigen Fantasy Filmfest Nights. Der erste Tag ist bereits vorbei und somit kann ich wieder eine kurze Einschätzung über die gesehenen Filme abgeben.

Als erstes lief American Mary. Der Film handelt von der angehenden Chirurgin Mary Mason, die auf Grund von Geldproblemen in die Extreme Body Modification Szene gerät und dort wegen ihrer medizinischen Fähigkeiten schnell sehr gefragt ist. Ihre Probleme werden anschließend jedoch nicht weniger.
Die Darstellung der Operationen und der Ergebnisse ist schon teilweise recht verstörend, auch wenn man gerade das möglicherweise interessanteste, die Operation an den Zwillingen nicht im Ergebnis sondern nur in einer Skizze sieht. Möglicherweise reicht das aber auch. Regie geführt haben die Zwillinge Jen und Sylvia Soska, die auch die erwähnten Zwillinge im Film spielen. Die Besetzung der Hauptrolle, gespielt von Katherine Isabelle, ist sehr gut gewählt. Eine nette Nebenrolle war außerdem der Bodyguard/Türsteher Lance. Der Dialog später im Film zwischen ihm und Mary hat mir gut gefallen. Ihre Insgesamt ein toller Film und eine gute Wahl zur Eröffnung. Wertung: 7/10.

Anschließend kam The Bay, eine Art Öko-Thriller mit einem kleinen bischen Creature-Horror. In einer Küsten-Kleinstadt in Maine steuern auf Grund von rätselhaften Krankheitsausbrüchen die Feierlichkeiten zum Independence Day auf eine Katastrophe zu.
Ich hatte schlimmeres befürchtet, da ich mit Natur-schlägt-zurück seit Long Weekend und dem unsagbar furchtbaren Nothing The Happening meine Probleme habe. Hier fand ich die Verwendung von diversesten Medien, wie Handkamera, Mobiltelefonkamera, Videokonferenzen und einigem mehr recht originell und der Einsatz von Shaky-Cam Sequenzen hielt sich trotzdem in Grenzen. Auch die Story an sich war nicht völlig uninteressant, sodass man durchaus unterhalten wurde. Insgesamt sicher kein Must-See, aber man kann ihn sich ohne Probleme anschauen. Wertung: 5/10.

Daraufhin gab es Citadel, eine irische Produktion. Ein junger Mann muss dabei zusehen, wie Jugendliche mit Kapuzen seine schwangere Frau angreifen, die zunächst ins Koma fällt und schließlich die Folgen des Angriffs nicht überlebt. Das Kind kann jedoch gerettet werden und so lebt er anschließend mit seiner Tochter zusammen in einem kleinen Haus, welches er wegen seiner Angst vor der Außenwelt in Folge der Erlebnisse, kaum verlässt.
Mein persönliches Low-Light bisher. Unsympathische Charaktere, bis evtl. die Krankenschwester, die die im Koma liegende Frau im Krankenhaus betreut. Ein Schauplatz der suggeriert, dass es in Irland aussieht wie in einer selbst von den Geistern verlassenen Geisterstadt in Osteuropa und eine Story die sich nicht entscheiden kann ob sie übernatürlich oder realitätsnah sein will (oder einfach nur blöde). Am Ende gab es noch die Chance auf eine hübsche Explosion, jedoch selbst das würde nicht erfüllt, das Ergebnis sah eher wie ein Tischfeuerwerk auf Sparflamme aus. Man verpasst definitiv nichts, wenn man den Film nicht sieht. Wertung: 3/10.

Als vorletzter Film kam Stoker, der neue Film von Park Chan-Wook, produziert von Tony und Ridley Scott. Er handelt von der Familie Stoker, bestehend aus der Tochter India, ihrer Mutter und ihrem Vater, welcher jedoch gleich zu Beginn verstirbt. Kurz darauf taucht der rätselhafte lange verschollene Onkel auf und zieht in das gemeinsame Haus ein. India misstraut ihm allerdings und es entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen den beiden, dass sich immer mehr steigert.
Der Film wurde im Vorfeld bereits sehr gelobt und das hat sich für mich auch bestätigt. Die Story war clever und arbeitete mit einer guten Mischung aus Rückblenden und linearer Handlung. Die Besetzung war hervorragend. Insbesondere Mia Wasikowska als India Stoker und Nicole Kidman als psychisch labile Mutter haben mir gefallen. Wertung: 8/10.

Den Schluss des Tages bildete schließlich The ABC’s of Death, ein Episodenfilm mit stilistisch sehr unterschiedlichen Elementen zu jedem Buchstaben des Alphabetes, denen allen gemein ist, dass am Ende jemand zu Tode kommt.
Inhaltlich kann und sollte man möglichst nichts vorweg nehmen. Wie bei Episodenfilmen üblich ist die Qualität der einzelnen Segmente sehr unterschiedlich und teilweise auch eher subjektiv zu bewerten. Mir persönlich haben mehrere Segmente sehr gut gefallen: Filmisch fand ich D, „Dogfight“, sehr gelungen. Optisch und stilistisch war O, „Orgasm“ sehr schön. Gut gefallen haben mir auch H, „Hydro-Electric Diffusion“, alleine schon wegen dem Titel, aber auch wegen der Umsetzung (Nazi-Katze, yay!). Aber auch die meisten anderen Beiträge waren definitiv sehenswert. Insgesamt einer der besseren Episodenfilme der letzten Zeit. Wertung: 7/10.