Fantasy Filmfest 2012 – Tag 7

Mit ein paar Tagen Verspätung melde ich mich nun auch wieder zum diesjährigen Fantasy Filmfest zu Wort. In den ersten Tagen bin ich nicht dazu gekommen, ich reiche es also nun nach. Wie bisher gibt es wieder eine Kurzzusammenfassung und meine Meinung zu den von mir gesehenen Filmen.

Der vorletzte Tag begann für mich mit The Awakening, eine britische Produktion, die zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg spielt. Eine junge Frau hat sich darauf spezialisiert, übernatürliche Phänomene als Unsinn aufzuklären. Eines Tages wird sie von einem Lehrer eines Jungeninternats gebeten, deren Phänomen zu untersuchen, dem bereits einer der Schüler zum Opfer gefallen ist. Sie beginnt kurz darauf mit ihren Untersuchungen, diesmal scheint es allerdings tatsächlich einen Geist zu geben.
Ein sehr ruhiger Film, der eine gute Atmosphäre aufbaut. Die Settings und Ausstattung vermitteln ein glaubwürdiges Bild für die Zeit, in der der Film spielt. Eine sehr nette Idee waren die zahlreichen Instrumente, mit der die Ursachen des Spuks ermittelt werden sollen. Die Auflösung war dann ein wenig unüberraschend und insgesamt brauchte der Film sehr lange, bis es zu einer nennenswerten Spannung kam. Daher für mich nur durchschnittlich. Wertung: 5/10

Als nächstes lief No Tell Motel. Hier stranden einige Jugendliche in einem ehemaligen Motel, nachdem deren Wohnmobil wegen der Fahrweise des Fahrers umgekippt ist. Leider hat vor Jahren dort ein Kind ein tragisches Ende genommen, welches dort immer noch vor sich hinspukt und so wird es keine angenehme Nacht für die Jugendlichen.
Tjoa… Ich habe auch schon spannendere Filme gesehen. Irgendwie hatte ich auch nicht den Eindruck, dass die meisten Charaktere besonders darauf angelegt waren, dass man diese als Zuschauer mögen soll. Die männlichen Charaktere gingen mir beide bereits in den ersten Minuten auf die Nerven, der eine, durch seine „lustigen“ Erschreckereien und der andere durch seine Fahrweise und sein allgemeines Verhalten. Die weiblichen Charaktere waren größtenteils nicht besonders langlebig und diejenige, die mir am unsympathischsten vorkam, überlebte auch noch am längsten. Die Story um das kleine Mädchen und deren Eltern war dann auch noch nicht besonders originell. Insgesamt nicht wirklich sehenswert. Wertung: 4/10

Ein großer Lichtblick im Anschluss: Noobz. Vier Gears of War 3 Spieler fahren nach LA um dort bei einem Turnier teilzunehmen. Dabei läuft natürlich nicht alles so wie geplant.
Insgesamt keine komplexe oder neue Story, aber dennoch absolut unterhaltsam und weil es um ein real existierendes Spiel geht wirkt das Ganze auch glaubwürdiger als in ähnlichen Filmen die Phantasiespiele thematisieren.  Die Besetzung von Jason Mewes als einer der Spieler war für mich ein besonderes Highlight. Wer hier irgendwelche neuen oder originellen Ideen erwartet, wird vermutlich enttäuscht werden, aber ich habe mich gut unterhalten gefühlt. Wertung: 7/10

Daraufhin lief Ace Attorney, ein neuer Film von Takeshi Miike. Es geht um einen Anwalt, der zunächst nur wenig erfolgreich ist und meist durch seine Kanzleipartnerin gerettet wird. Als diese jedoch ermordet wird, muss er sich selbst um alles kümmern und den Mordfall aufklären. Dabei wird eine Verbindung zu einem Jahrzehnte alten Fall sichtbar und was hat es eigentlich mit dem Monster in dem nahegelegenen See auf sich?
Ein ziemlich unkonventioneller Trip durch die Welt der Gerichtsfilme mit einer Portion Mystery und das ganze inszeniert von Herrn Miike. Klang vorher schon sehr interessant und hat sich als absolut sehenswert herausgestellt. Wer ein Problem mit Gerichtsfilmen hat, kann sich entspannen, die Szenen im Gericht selber sind nicht übermäßig lang und so over the top, dass das großen Spaß macht. Wer schon immer mal einen riesigen aufblasbaren Metall-Samurai sehen wollte, sollte sich diesen Film unbedingt anschauen. (Übrigens lief der Film als eine der wenigen 35mm Kopien auf dem diesjährigen Festival. Und dazu leider keine besonders gute.) Wertung: 8/10

Eine, wie der Regisseur es nannte, ZomCom war als nächstes dran: Cockneys vs. Zombies. Der Film spielt im Osten Londons, wo auf einer Baustelle ein Grab aus dem Jahre 1666 geöffnet wird. Dieses wurde damals auf königliche Anordnung versiegelt und offenbar aus guten Grund. Darin enthalten sind Zombies, die sich schnell ausbreiten. Währenddessen bereiten zwei Brüder mit ihrer Cousine einen Banküberfall vor um das Altersheim ihres Großvaters zu retten. Als sie glauben, dass die Polizei ihr größtes Problem ist, entdecken sie die Zombies und müssen sich zur Wehr setzen.
Ein weiteres Highlight und für mich eher unerwartet. Man hat in den letzten Jahren ja nun schon eine Menge im Zombie-Bereich zu sehen bekommen und auch aus Großbritannien kamen einige gute Werke, die nun die Messlatte recht hoch legen. Trotzdem schafft es Cockneys vs. Zombies, einen eigenen Stil zu finden und britischen Humor zu transportieren. Dass ausgerechnet ein deutscher Regisseur dies zu Stande bringt und damit auch einen Film wie Shaun of the Dead übertrifft kam für mich überraschend. Definitiv eines der Must-Sees von diesem Jahr. Wertung: 9/10

Zum Abschluss des Tages gab es dann Morituris, einen Vertreter aus der Midnight Madness Kategorie. Eine Mischung aus Rape and Revenge und Gladiatorenfilm, dazu eine kleine Prise große Schaufel Blödsinn. Zwei Männer und zwei Frauen fahren gemeinsam in den Wald, angeblich zu einem Rave irgendwo dort. Leider haben die Männer keine besonders guten Absichten und vergehen sich an den beiden Frauen, die jedoch erfolgreich flüchten können. Dummerweise ist das gesamte Areal voll mit untoten Gladiatoren, die nicht so erfreut über ihren unerwarteten Besuch sind.
Ich gebe zu, ich war müde und deshalb nicht mehr so aufnahmefähig für so einen Film, aber trotzdem war dieser ziemliche Blödsinn nicht besonders unterhaltsam. Bis etwas nennenswertes passierte dauerte es eine gefühlte Ewigkeit und das Auftreten der Gladiatoren war dann zu schnell wieder vorbei. Ich habe mich ständig an Bloodsucking Pharaos of Pittsburgh, einen ähnlich dämlichen Film, erinnert gefühlt. Mit viel gutem Willen oder ersatzweise Alkoholika und/oder Betäubungsmitteln durchaus noch erträglich. Schätze ich. . Immerhin gibt es schon eine Warnung  im Programmheft: „Experimentierfreudige und Liebhaber des Italo-Exploitation-Kinos werden auf ihre Kosten kommen, alle anderen seien vorgewarnt.“. Auch dem freundlichen Wunsch „Guten Schlaf“ beim Einlass konnte man entsprechen. Wertung: 3/10

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