Fantasy Filmfest 2012 – Tag 6

Mit ein paar Tagen Verspätung melde ich mich nun auch wieder zum diesjährigen Fantasy Filmfest zu Wort. In den ersten Tagen bin ich nicht dazu gekommen, ich reiche es also nun nach. Wie bisher gibt es wieder eine Kurzzusammenfassung und meine Meinung zu den von mir gesehenen Filmen.

Als erster Film am sechsten Tag lief Vamps. Er handelt von zwei Vampirinnen in New York, die hauptsächlich Party machen und ihren Durst mit Rattenblut löschen um keine Menschen anzufallen. Eine der beiden ist bereits im 19. Jahrhundert zum Vampir geworden und hat ein wenig den Anschluss an die moderne Welt verloren. Die jüngere lernt zudem in der Schule, die sie Abends besucht einen Mann kennen, der allerdings van Helsing heisst.
Der Film hat mein Interesse vor allem wegen Krysten Ritter geweckt, die ich bisher in ihren Rollen in verschiedenen Serien immer ganz gut fand. Zu meinem Erfreuen hat dann auch noch Wallace Shawn, der in Eureka eine wiederkehrende Gastrolle gespielt hat, eine Rolle in diesem Film. Und außerdem noch Malcolm McDowell als Vampir, der sich auf das Pfählen von Äpfeln beschränkt. Die Story hat keine übermäßig dramatischen Wendungen, was ich sehr gut finde, da in diesem Film allein schon die normale Interaktion der Charaktere ausreicht, um ihn wirklich sehenswert zu machen. Wertung: 9/10

Anschließend lief When the Lights went out. Hier wurde wieder einmal eine wahre Geschichte erzählt und zwar eine Hounted House Geschichte, die in den 70er Jahren spielt. Eine Familie zieht in ein Haus und die Tochter wird von unheimlichen Ereignissen heimgesucht. Nach kurzer Zeit, während der die Eltern ihr nicht glauben, bekommen auch sie eine Demonstration der bösen Präsenz in ihrem Haus.
Wow, wie langweilig doch manchmal ein gruseliger Film sein kann. Ungefähr so langweilig, wie die 70er Jahre Einrichtung in ihm. Über lange Strecken passiert nichts Wesentliches und hin und wieder gibt es mal einen Schockeffekt. Die Charaktere sind bis auf die Hauptfigur nicht übermäßig sympathisch. Ich hab mich vermutlich mehr über das Ende des Geistes gefreut, als die Personen im Film. Wertung: 3/10

Anschließend lief Portrait of a Zombie, ein irisches Mockumentary über Zombies. Um genau zu sein, über einen Zombie, der bei seiner Familie lebt. Ein Filmteam hat diese besucht und will eine Dokumentation darüber drehen. Dass das nicht ohne Opfer passiert, ist wohl zu erwarten.
Und gleich noch ein furchtbarer Film. Was habe ich mich hier gelangweilt. Insbesondere die Umsetzung hat es mir schwer gemacht, mich mit diesem Film anzufreunden, da ständig das Documentary Format verlassen wurde und das Filmteam dabei gefilmt wurde, wie es bestimmte Dinge tut. Dann stellt sich die Frage: Wer filmt das jetzt? Solche Stilbrüche vermiesen mir so einen Film, der mit dem Anspruch daherkommt, eine fiktive Realität abzubilden. Zudem fand ich die Story auch ein wenig dünn um damit ~90 Minuten Film zu füllen. Insgesamt einer meiner schlechtesten Filme dieses Jahr. Wertung: 2/10

Daraufhin kam Violet & Daisy. Zwei Mädchen, die als Auftragskiller arbeiten. Bei einem Job stoßen sie auf einen alten Mann, der offenbar gewillt ist zu sterben. Um dies zu erreichen hat er beträchtliche Mengen von Geld den örtlichen Gangsterbossen gestohlen und erwartet deren Auftragskiller. Violet und Daisy werden von einem von diesen beauftragt,  durch unglückliche Umstände verpassen sie jedoch die Gelegenheit und lernen ihr Opfer dann genauer kennen.
Der Film lebt vor allem durch seine Dialoge und die Charaktere. Ein Großteil der Handlung spielt im gleichen Setting und mit drei Charakteren, sodass die Verantwortung für die Fortentwicklung der Handlung gänzlich bei diesen liegt. In dieser Hinsicht lässt er sich mit Reservoir Dogs vergleichen, wenn er auch bei weitem nicht an diesen heranreicht. Trotzdem ist der Film sehenswert und äußerst unterhaltsam, da er durch die Wahl der Hauptcharaktere einen neuen Blick auf Filme um Auftragskiller eröffnet. Besonders hervorzuheben ist James Gandolfini in der Rolle des Mannes, der umgebracht werden soll. Wertung: 7/10

Anschließend lief mit Beasts of the Southern Wild das Centerpiece dieses Jahres. Der Film spielt im äußersten Süden Louisianas, außerhalb der Dämme, die das Festland gegen Hochwasser schützen. Hier gibt es einige Menschen die kleine Dörfer bewohnen, die vor allem aus Treibgut und anderen Abfällen zusammengebaut wurden. Hauptperson ist ein sechsjähriges Mädchen namens Hushpuppy, die mit ihrem Vater eine der Hütten bewohnt. Große Probleme entstehen dann, als eine Flut das Dorf bedroht und die Einwohner sich riesigen Tieren, die aus dem antarktischen Eis aufgetaut sind, gegenüber sehen.
Dieser Film war auch so ein Fall wo ich mir nicht ganz sicher bin, wie ich ihn einschätzen soll. Einerseits war er handwerklich sehr gut gemacht und man merkte auch im Q&A mit dem Regisseur im Anschluss, dass ihm dieser Film persönlich wichtig war. Andererseits stellte sich mir die Frage, wie er auf das Festival passen soll, denn die Screentime der großen Tiere, mit denen man vielleicht noch argumentieren kann, war äußerst gering und ansonsten war der Film eher sehr arthousig und ein relativ normales Drama. Unabhängig davon fand ich die Handlungen der Charaktere doch recht zweifelhaft. Wenn ein Sturm kommt und man sich nicht in Sicherheit bringt sondern stur weiter in seiner Hütte bleibt, die durchaus weggespült werden kann, dann ist das nicht besonders clever. Daher kann ich dann auch nicht unbedingt mit den Betroffenen mitfühlen. Die verwendete Musik hat außerdem ein bischen zu sehr auf die Tränendrüse drücken wollen. Insgesamt sicher kein schlechter Film und in anderem Kontext vielleicht auch deutlich besser, jedoch fühlte er sich hier eher wie ein Fremdkörper an, der nicht so recht auf das Festival passen wollte. Wertung: 6/10

Als Abschluss gab es dann noch The Ghostmaker. Drei Freunde entdecken einen alten Sarg mit Mechanik darin. Dieser wurde offenbar von einem Experten für Foltermaschinen  (natürlich ein Deutscher!) im 15. Jahrhundert entwickelt. Der Zweck der Mechanik scheint zu sein, dass man kurzzeitig das Reich der Toten betreten kann. Doch natürlich kommt so etwas nicht ohne Nebenwirkungen.
Dieser Film war ein Vertreter der in einem äußerst nervigen weil langem und langweiligem Trailer  breitgetreten wurde, denn er gehört zu den After Dark Filmen, eine „Schockerreihe“, die einem „das Blut in den Adern gefrieren lassen wird“ und einem vor Schreck den Kopf abreißt. Oder so in der Art. Zugegeben, die Idee war ja nicht schlecht, zumindest die Prämisse. Doch alles Weitere war ziemlich (bl-)öde und auch die Charaktere waren sehr einseitig und vorhersehbar. Das ich nicht eingeschlafen bin, kann man dem Film wegen der späten Uhrzeit noch zu Gute halten, aber ansonsten habe ich nicht viel Positives dazu zu sagen. Wertung: 4/10

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