Fantasy Filmfest 2012 – Tag 5

Mit ein paar Tagen Verspätung melde ich mich nun auch wieder zum diesjährigen Fantasy Filmfest zu Wort. In den ersten Tagen bin ich nicht dazu gekommen, ich reiche es also nun nach. Wie bisher gibt es wieder eine Kurzzusammenfassung und meine Meinung zu den von mir gesehenen Filmen.

Der fünfte Tag begann mit Columbus Circle, ein Thriller der in einem New Yorker Luxusapartmentkomplex spielt. Zu Beginn werden wir Zeuge, wie eine alte Dame, in ihrer Wohnung ermordet wird. Daraufhin beginnt die Polizei zu ermitteln und man lernt andere Personen aus dem Haus kennen. In der Wohnung gegenüber dem Opfer wohnt die zurückgezogen lebende Abigail, die ihre Wohnung nie verlässt. In das Apartment der alten Dame ziehen kurz daraufhin neue Mieter ein, ein junges Paar, bei dem der Mann gewalttätige Ausbrüche hat. Als Concierge des Hauses arbeitet der zwielichtige Klanderman. Und schließlich wäre da noch der Arzt der alten Dame, der das Gebäude öfter aufsucht. Nach kurzer Zeit wird klar, dass keine einzige der handelnden Personen vollständig ehrlich über ihre Absichten und Motive ist.
Für den Tagesbeginn war das ein guter Einstieg. Kein großer Film mit hohen Erwartungen dahinter und trotzdem ein paar bekannte Namen und Gesichter, die ihn interessant machen. Besonders hervorzuheben sind die Nebenrollen von Beau Bridges als Arzt und Kevin Pollak als Concierge. Obwohl man zu Beginn nicht genau weiß, wohin sich der Film entwickeln will schafft es der Film den Zuschauer mitzunehmen und präsentiert nach und nach einzelne Informationshäppchen, die sich wie die Puzzleteile im (schön gestalteten) Intro zusammenfügen. Bis zum Ende bleiben jedoch immer noch kleine Fragen offen die dann zum Schluss geklärt werden. Insgesamt hat mir der Film gut gefallen, von der Machart her, hat er mich ein wenig an Love Crime errinnert, der 2010 auf dem Festival lief. Wertung: 7/10

Zum Pflichtprogramm gehört für mich jedes Jahr Get Shorty, das Kurzfilmprogramm. Hierbei lassen sich jedes Jahr kleine Meisterwerke entdecken, die man sonst sehr wahrscheinlich nie zu Gesicht bekommen wird.

Le Lac Noir (The Black Lake)
Den Anfang macht eine französische Produktion um einen Mann der mit seiner Frau in einem Haus im Wald an einem dunklen See lebt. Eines Tages zieht er beim Fischen einen großen Fisch an Land und findet etwas in dessen Bauch. Und was ist eigentlich im Keller von seinem Haus?
Sehr künstlerischer Film, der mich nicht besonders berührt hat. Die Figuren blieben blass und die Landschaft sah teilweise sehr offensichtlich unecht aus. Aber wie wir in Mystery Science Theater gelernt haben, sind selbstgemalte Hintergründe ja immer noch am schönsten.

Tune for Two
Ein sehr kurzer Film um einen Auftragskiller und sein Opfer. Beide entdecken kurz bevor der Auftrag ausgeführt wird eine Gemeinsamkeit. Tolle Idee, sehr kurzweilig. Hat mir gut gefallen.

Luminaris
Ein Film um die Produktion von Glühlampen, sort of. Stilistisch eine Mischung aus Realfilm und Stock-Motion. Konnte man sich wohl anschauen, war aber mehr technisch als inhaltlich interessant.

No Ticket (glaube ich, beim Titel bin ich mir nicht mehr ganz sicher)
Als Ersatz für Bear und Believe the Dance, die aus technischen Gründen nicht gezeigt werden konnten, gab es einen Animationsfilm über einen Roboter, der mit dem Roboterzug fahren möchte, aber leider kein Ticket aus dem Automaten bekommt. Die Roboterzugbetreibergesellschaft hat dafür aber sehr kompetente Angestellte, die das Vorhandensein von Tickets kontrollieren. Ein niedlicher Film ohne große Überraschungen. Handwerklich gut und witzige Story.

The Trap
Was macht man eigentlich mit einem Loch in einer Mauer, über dem steht, dass man nicht hindurchgucken soll? Von der Machart her sehr mit Hungry Hickory und He’ll be dead at the End zu vergleichen, ebenfalls mit sehr spartanischen Mitteln effektvoll inszeniert. Funktioniert jedoch nicht ganz so gut, wie die beiden anderen genannten Filme.

Danny Boy
Noch ein Animationsfilm. Hier geht es um eine Stadt in der, bis auf einen, nur kopflose Menschen wohnen. Als dieser eine Kopfbesitzer von einem Mädchen zurückgewiesen wird, weil er einen solchen hat, überlegt er sich einen Ausweg. Nette Idee, stilistisch nicht ganz meine Richtung, die Umsetzung insgesamt war mir ein bisschen zu trocken.

The Little Mermaid
In einem Sideshow Zirkus wird eine echte Meerjungfrau in einer Badewanne ausgestellt und der Besitzer ist nicht besonders nett zu ihr. Ein kleiner, einfach gehaltener Film mit einer hübschen Story die aber dann doch etwas zu wenig ist.

Abiogenesis
Ein weiterer Animationsfilm. Diesmal aus dem SciFi Bereich. Komplett ohne Charaktere und Dialoge auskommend arbeitet dieser Film nur mit visuellen und akustischen Effekten und tut das meiner Meinung nach sehr gut. Es macht Spaß die Farben auf sich wirken zu lassen.

The Furred Man
Ein Mann wird von der Polizei verdächtigt Camper ermordet zu haben. Dass er ein Werwolf-Kosten an hat und gerade Vollmond ist, trägt nicht gerade dazu bei, dass die Polizei ihm mehr vertraut. Er behauptet jedoch, dass ein echter Werwolf die Camper auf dem Gewissen hat. Ob er Recht hat? Hat mir gut gefallen, mit netten Charakteren und einem coolen Twist am Ende.

Sugar
Eine Verkettung unglücklicher Umstände die damit beginnt, dass eine hübsche Nachbarin Zucker haben möchte und damit endet, dass der gefragte Nachbar auf einem Obduktionstisch liegt. Neben The Trap und Tune for Two mein Lieblingsteil von Get Shorty. Eigentlich kann der Mann nichts dafür was passiert, er macht es aber durch seine Handlungen von Minute zu Minute noch schlimmer. Idee und Umsetzung passen gut zueinander.

Insgesamt hat mir Get Shorty dieses Jahr nicht ganz so gut gefallen wie letztes Jahr, aber trotzdem waren einige sehenswerte Filme dabei.

Anschließend lief Excision. Der Film handelt von einem ziemlich exzentrischen Mädchen, dass sehr unter der zwanghaften Kontrolle ihrer Mutter leidet, die sehr konservativ eingestellt ist und meint, dass ihre Töchter beide zu einem Benimm-Kurs gehen sollten. Die Hauptperson hat eine jüngere Schwester, die Atemwegsprobleme hat und vermutlich eine neue Lunge benötigt. Was liegt da näher, als die eigenen Kenntnisse in der menschlichen Anatomie auszubauen.
Ich hatte diesen Film überhaupt nicht als guten Kandidaten auf dem Schirm. Umso überraschter war ich dann, als sich herausstellte, wie sehenswert er in Wirklichkeit ist. Die Hauptdarstellerin ist großartig in ihrer Rolle und die Nebenrollen sind u.a. mit Ray Wise und Malcolm McDowell besetzt, womit man bei mir schon viele Pluspunkte sammelt. Insgesamt hat der Film eine tolle Story, die mich über die gesamte Laufzeit gut unterhalten hat. Wertung: 8/10

Daraufhin habe ich Chained gesehen. Hier geht es um einen Jungen und seine Mutter, die von einem Taxifahrer nach einem Kinobesuch entführt werden. In dessen Haus bringt er die Mutter um und der Junge wird von nun an im Haus des Killers leben, angekettet an eine Wand. Hier muss er nun mit ansehen, wie dorthin jahrelang Frauen verschleppt und umgebracht werden.
Puh. Ein ziemlich harter Film, der einen mit einem extrem unguten Gefühl zurücklässt. Zuletzt ging mir das bei We need to talk about Kevin so. Das Haus, in dem die meisten Szenen spielen, ist komplett abgedunkelt und wird nur von künstlichem Licht beleuchtet, was eine relativ düstere Stimmung hervorruft. Die aussichtslose Lage des Jungen und die Handlungen des Täters tun ihr Übriges. Die Handlung ist sehr klar und linear, mit wenigen Schnörkeln. Auch wenn man nur wenig explizite Gewalt sieht, strahlen viele Szenen implizite Gewalt aus. Sicherlich kein Film für den unterhaltsamen Abend am Wochenende, aber definitiv eines der Highlights des Festivals. Mit dem von der anwesenden Regisseurin Jennifer Lynch angekündigten verbesserten Ende im Directors Cut, wäre sicherlich auch eine 10/10 drin. Wertung: 9/10

Als vorletzter Film des Tages lief danach God bless America. Eine medienkritische Satire um einen Mann mittleren Alters, der die Dummheit der allgemeinen Bevölkerung, verkörpert durch Realtiy-TV Formate, nicht mehr aushält und zum Gegenschlag ausholt. Unterstützung findet er in seiner minderjährigen Begleiterin, die er dabei kennenlernt, wie er den Star einer Realityshow zum vorzeitigen Ableben verhilft. Kurz darauf ziehen die beiden eine blutige Spur durch die Vereinigten Staaten.
Der Film ist eine Mischung aus überzeichneter Satire und Road Movie. Eine besonders schöne Szene ist ein Monolog im Büro am Arbeitsplatz des Hauptcharakters. Hier erläutert er seinem Arbeitskollegen, was an der heutigen Fernsehlandschaft alles falsch ist und dieser verfällt in die gleichen Argumentationsschemata, die man von den meisten Gesprächspartnern zu diesem Thema zu hören bekommt. Das Zusammenspiel mit seinem Sidekick ist auch sehr schön anzuschauen, ähnlich wie bereits in Super. Die Besetzung ist dafür gut gewählt. Als ich aus dem Film rauskam, hatte ich jedoch gleich die Befürchtung, dass all diejenigen, die eben gerade darüber gelacht haben, die gleichen bescheuerten Sendungen weiter anschauen werden. Alles in allem ein klasse Film mit einer unterstützenswerten Botschaft. Vielleicht nicht unbedingt mit den Mitteln aus dem Film. Wertung: 9/10

Den Abschluss bildete Detention. Der Film spielt an einer Highschool und stellt zunächst eine sehr beliebte Schülerin vor, die kurz darauf von dem Serienkiller Cinderhella umgebracht wird. Daraufhin wird eine andere Schülerin gezeigt, die eher ein Außenseiter ist und von nun an als Protagonistin dient. Im Verlauf des Films finden noch andere ihr Ende durch Cinderhella und möglicherweise steht das Ende der Welt bevor. Das gilt es nun zu verhindern.
Detention war für mich durchaus ein Highlight, jedoch lief dieser Film zu einer zu späten Uhrzeit, als dass ich ihn angemessen hätte wahrnehmen können. Er nutzt unzählige Popkultur-Referenzen und ähnelt stilistisch zeitweise eher einem Videospiel. Wer vor ein paar Jahren Kaboom gesehen hat und ihn mochte (so wie ich ;-) ), könnte auch an diesem Film seinen Gefallen finden. Wertung: 8/10

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