Fantasy Filmfest Nights 2012, Tag 2

Nachdem ich nun inzwischen auch schon wieder zu Hause bin, hier nun Teil 2 meiner Zusammenfassung.

Los ging es mit Rosewood Lane. Hier geht es um eine junge Frau, gespielt von Rose McGowan, die nach dem Tode ihres Vaters in dessen Haus zieht. Kurz darauf stellt sie jedoch fest, dass dies vielleicht keine so gute Idee war. Der örtliche Zeitungsjunge zeigt nämlich mehr Interesse an allen Anwohnern in der Straße, als angebracht wäre und ihre neuen Nachbarn scheinen den Psychoterror zu tolerieren.
In den Kritiken die ich bisher gelesen habe ist dieser Film nicht so gut weggekommen, was ich nicht völlig teilen kann. Er ist nicht besonders originell oder neuartig, aber durchaus spannend und in den meisten Rollen gut besetzt. Der Zeitungsjunge erscheint jedoch deutlich zu alt. Positiv hervorheben möchte ich Ray Wise, der hier einen Detective der örtlichen Polizei spielt. Ein großer Kritikpunkt ist für mich das Ende, was so aussah wie ich bereits zur Hälfte des Films vermutet habe. Der Film lässt sich aber trotzdem gut ansehen, man verpasst allerdings auch nichts, wenn man ihn nicht sieht. 5/10

Der zweite Film des Tages war Love. Hierbei handelt es sich um einen SciFi-Film, der von der Band Angels & Airwaves produziert wurde. Die Handlung beginnt im Amerikanischen Bürgerkrieg, wo ein Soldat auf eine Mission gesandt wird, einen bestimmten Ort zu untersuchen. Kurz darauf wechselt die Erzählung in das innere der ISS im Jahre 2039, die ein Astronaut nach ca. 20 Jahren Stilllegung wieder in Betrieb nehmen soll. Kurz darauf verliert er aber jeden Kontakt zur Erde und ist auf sich allein gestellt.
Puh. Schwieriges Thema. Direkt im Anschluss war ich überhaupt nicht überzeugt. Das Ende schien mir zu wirr und unpassend. Dazu kommt, dass es schlimme Logikprobleme gibt (Spoilers ahead!): Woher kommt auf der Station Gravitation? Wie ist er zur Station gekommen, wenn er keine Möglichkeit zur Rückkehr hat? Wo kommen die Unmengen an Ressourcen her, die er hat um 6 Jahre an Bord zu bleiben? Warum verwenden die Stationsrechner ein komisches Betriebssystem was aussieht wie von 1980? – Ich könnte noch ne Weile weitermachen, die Kurzfassung ist jedoch: Warum macht man einen Film mit Realitätsnähe, wenn man nicht mal Lust hat, ein paar simple Fragen zu klären bzw. zumindest dem Zuschauer zu erklären? Allerdings: Inzwischen, wo ich eine Weile drüber nachgedacht habe, hat mir der Film zumindest teilweise gefallen – die Logikprobleme mal außen vor gelassen. Die athmosphärische Musik und die ruhigen Bilder passen gut zusammen und der Verweis auf Kubricks 2001 – Odysee im Weltraum (den ich sehr schätze) liegt nahe. Das Ende will mir trotz alledem nach wie vor nicht gefallen. Ich glaube, dieser Film ist ein klarer Fall von Love it or Hate it (no pun intended). Für mich insgesamt allenfalls unterer Durchschnitt, man sollte sich aber selber ein Bild machen. 4/10

Anschließend gab es Sleep Tight, ein spanischer Film, dessen Regisseur ebenfalls da war. Es geht um César, den Portier und Clara, die in dem Mietshaus wohnt, für das er zuständig ist. César hat, wie man schnell herausfindet, großes Interesse an ihr, jedoch ist ihr dies nicht bewusst. So nutzt er halt seinen Generalschlüssel um ihr nahe zu sein.
Für mich eine weitere positive Überraschung, da ich mir vorher nicht viel von dem Film versprochen habe. Der Hauptdarsteller ist jedoch so gut in seiner Rolle, dass man die ganze Zeit gespannt darauf wartet, was er sich neues einfallen lässt bzw. zu welchem Ende es kommt. Der Regisseur hatte im Vorfeld bereits den Hinweis gegeben, dass er den Film als eine Art Spiel zwischen den beiden Protagonisten angelegt habe und der Zuschauer eingeladen sei, sich eine Seite auszusuchen. Dies beschreibt sehr gut den Eindruck, den der Film hinterlässt. 7/10

Beim vorletzten Film handelte es sich um The Theatre Bizarre. Diesen hatte ich bereits letztes Jahr in Oldenburg auf dem Filmfest ins Auge gefasst, aber auf Grund von ungünstigen Zeiten verworfen. Hierbei handelt es sich um einen Episodenfilm von mehreren Regisseuren, darunter Richard Stanley und Tom Savini. Thematisch sind die Episoden durchweg unterschiedlich gelagert und werden durch eine Rahmenhandlung verbunden. Ein Mädchen begibt sich in altes leerstehendes Theater und eine Puppe, gespielt von Udo Kier(!) erzählt ihr die einzelnen Episoden als Geschichten. Jede davon ist für ein Budget von 20000$ entstanden.
Neben We need to talk about Kevin am Samstag mein zweites Highlight. Ich mag Episodenfilme ohnehin sehr gerne und dieser bildet da auch keine Ausnahme. Ich musste zwischendurch mehrmals an eine Aneinanderreihung von Masters of Horror Folgen denken. Man sieht dem Film seine geringen Kosten kaum an. Die Storys und der Einfallsreichtum der Regisseure gleichen das mehr als aus. 9/10

Am Schluss gab es diesmal einen Zombiefilm aus Spanien, nämlich [Rec]³. Auf einer Hochzeit kommt es zum Ausbruch einer Zombieepidemie. Ein schönes Szenario :-)
Laut dem Programmheft verfügte der dritte Teil, welcher als Prequel/Parallelhandlung zum ersten ausgelegt ist, über deutlich mehr Budget, was man offenbar für ordentliches Kameraequipment ausgegeben hat. Daher hat man sich auch zumindest teilweise vom Found-Footage Konzept verabschiedet, was aber im Endergebnis nur von Vorteil ist. Jedoch hat der Film auch konzeptionell nicht viel mit den beiden Vorgängern gemeinsam. Mein Eindruck, wie ich gestern Abend schon getwittert habe: [Rec]3 ist ein toller Film. Eine Hochzeit so wie ich sie mag. Mit Zombies. Und… naja, sowas ähnlichem wie nem Happy-End. Ein guter Partyfilm für den Abschluss. 7/10

Das wars dann auch schon wieder für die Nights dieses Jahr und ich bin schonmal sehr gespannt auf das Festival im August.

Fantasy Filmfest Nights 2012, Tag 1

Da bin ich mal wieder in Hamburg bei den Fantasy Filmfest Nights und der erste Tag ist auch schon wieder vorbei.

Los ging es diesmal mit The Prodigies 3D, einem Animationsfilm über 5 Jugendliche mit besonderen Fähigkeiten. Diese werden von einer Stiftung über ihre Ergebnisse bei einem Computerspiel identifiziert und dann zusammengeholt um ihre Fähigkeiten zu untersuchen. Wie man sich schon denken kann, läuft das nicht so, wie geplant.
Mir gefiel die Optik beim Trailer schon nicht so besonders. Im Film selbst hat mich das dann allerdings weit weniger gestört. Dafür fand ich die Story recht lahm und vorhersehbar. Ich hatte die meiste Zeit den Eindruck, das so oder so ähnlich schon an anderen Stellen gesehen zu haben. Der 3D Effekt hielt sich in Grenzen, meiner Ansicht nach hätte der Film auch ohne gut funktioniert. Alles in allem kann man sich den Film angucken, sollte aber nicht zu hohe Erwartungen ansetzen. 5/10

Weiter ging es dann mit Livid. Diese französische Produktion vom gleichen Team wie Inside wurde bereits (auch von mir) mit Spannung erwartet. Sie handelt von einer jungen Frau, die in einem französischen Fischerdorf als Altenpflegerin arbeitet. Dabei erfährt sie von einem alten Haus in dem eine schwer kranke Frau lebt, die seit Jahren im Koma liegt. Angeblich soll es dort auch einen Schatz geben und so fasst sie mit ihrem Freund und einer weiteren Person den Entschluss, diesen Schatz zu finden und in ihren Besitz zu bringen. Doch schon bald müssen sie feststellen, dass das Haus noch andere Geheimnisse birgt.
Dadurch, dass der Film über weite Teile nachts spielt, schafft er es, eine hohe Grundspannung zu schaffen und zu halten. Das Haus wirkt auch ziemlich gruselig, dazu tragen auch die zahlreichen Tierköpfe an den Wänden bei. Die Hauptdarstellerin ist sehr sympatisch und spielt ihre Rolle recht gut, die beiden Begleiter bleiben dagegen etwas blass. Grundsätzlich hat mir der Film gut gefallen, jedoch hätte man das Ende evtl. überdenken sollen. Dies schien auch großen Teilen des restlichen Saalpublikums so zu gehen. 8/10

Als nächstes kam dann We need to talk about Kevin. Hierbei geht es um die Mutter eines Jungen, der einen Amoklauf in seiner Schule begeht und schildert das Leben der Mutter in verschiedenen verschachtelten Zeitebenen. Einen großen Anteil nimmt hierbei die Zeit nach der Geburt ihres Sohnes ein. Dieses Kind ist auch mitunter eines der bösartigsten, das mir in einem nicht-übersinnlichen Film seit langem untergekommen ist. Es terrorisiert bereits seit frühester Kindheit seine Mutter, eine ehemalige Fotojournalistin. Wer noch Argumente braucht, warum er Kinder nicht mag, wird hier definitiv fündig.
Dieser Film funktioniert einfach sehr gut und lässt einen mit einem sehr unguten Gefühl zurück. Er braucht dafür keine großen Effekte oder komplizierte Handlungen, die Bösartigkeit des Kindes und deren Folgen reichen vollkommen aus. Definitiv kein Film für unterhaltsame Abende, aber durchaus empfehlenswert. Bisher eines meiner persönlichen Highlights. 9/10

Der vierte Film war dann Chronicle. Auch hier geht es um Jugendliche mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Diese kommen jedoch auf nicht natürliche Weise zu ihnen. Die drei Protagonisten sind recht unterschiedlich. Der Außenseiter, sein Cousin, der als einziger mit ihm etwas unternimmt und der Schülersprecher. Nachdem sie zu ihren Fähigkeiten gekommen sind, beginnen die drei diese auszuprobieren, was zu äußerst kreativen Einfällen führt. Jedoch kann einem große Macht auch schnell zu Kopf steigen, gerade dann, wenn man nicht unbedingt beliebt ist.
Der Film ist mit Found-Footage Material kreiert, was hier jedoch nicht dauerhafte Wackelkamera bedeutet, da die Kamera von einem der Protagonisten so geführt wird, dass sie sehr ruhig im Raum liegt. Optisch hat der Film einiges zu bieten und auch storytechnisch unterhält er sehr gut. Zum Ende hin bleiben zwar ein paar Fragen offen, aber dies ist nicht unbedingt problematisch. Alles in allem ein solider Film. 7/10

Den Abschluss bildete Juan of the Dead, ein kubanischer Zombie-Film. Juan ist Fischer in Havanna und hält sich damit einigermaßen über Wasser. Allgemein ist er sehr entspannt und so beeindruckt ihn auch eine Zombie-Epidemie nicht, die die Stadt heimsucht. Vielmehr fasst er den Entschluss mit seinem Kumpel ein Dienstleistungsgeschäft aufzuziehen, dass den zahlenden Kunden ihre zu Zombies verwandelten Angehörigen abnimmt. Dabei treten aber einige Komplikationen auf.
Eine unterhaltsame Zombiekomödie aus Kuba. Allgemein ist Kuba kein Land, aus dem ich bisher jetzt viele Filme gesehen habe –  dieser Film war jedenfalls klasse. Was mich sehr überrascht hat, waren die kritischen Untertöne in bezug auf lokale Gegebenheiten, die ich nicht erwartet hätte. Da es sich um eine Koproduktion mit Spanien handelt, mag dies aber der Tatsache geschuldet sein, dass der Film von keiner Behörde in Kuba abgenommen werden musste. Storytechnisch vielleicht nicht gerade eine Offenbarung, aber definitiv eine der besseren Zombiekomödien der letzten Jahre. 6/10

Gleich gehts dann los in den zweiten Tag, an dem die Mehrzahl der Filme kommen, auf die ich mich bereits im Vorfeld gefreut habe, darunter The Theater Bizarre, den ich im letzten Jahr auf dem Filmfest Oldenburg leider verpasst habe.