Fantasy Filmfest 2011, Tag 7

Der vorletzte Tag in Hamburg hielt noch einige Überraschungen bereit.

The Valdemar Legacy

Zu Beginn gab es eine spanische Produktion, die sich um den ehemaligen Landsitz der Familie Valdemar dreht. Ein Immobilienunternehmen hat den Auftrag erhalten, den Wert zu ermitteln. Nachdem jedoch bereits zwei ihrer Mitarbeiter bei diesem Auftrag verschwunden sind, wird ein Privatdetektiv eingeschaltet. Dieser begibt sich dann zu dem Anwesen und erfährt während der Fahrt dorthin von der Präsidentin der Valdemar Stiftung, was es mit diesem Haus auf sich hat und was Aleister Crowley und Bram Stoker damit zu tun haben.

Ein eher kleiner Film, der mich aber der Beschreibung nach sehr interessiert hatte. Der Schwerpunkt liegt eindeutig im Bereich Historien-Mystery-Horror, wer damit also nichts anfangen kann, wird sich mit dem Film auch nicht anfreunden können. Die Story entwickelt sich eher langsam und braucht eine ganze Weile bis man zu den entscheidenden Stellen gelangt, aber viele kleine Details lassen den Zuschauer das Interesse nicht verlieren. Lediglich das Ende kommt überaus unerwartet, jedoch gibt es bereits den zweiten Teil, der die Geschichte fortführt und morgen gezeigt wird. Wertung: 6/10

Grave Encounters

Eine der positiven Überraschungen des Tages stellte dieses kanadische Mocumentary dar, in welchem ein TV-Team eine Folge einer Reality-Ghost-Hunter Show in einem verlassenen psychatrischen Krankenhaus dreht und sich hierfür eine Nacht dort einsperren lässt. Nachdem sie eine Weile gedreht haben und keine nennenswerten Ereignisse aufgezeichnet haben, beginnt die Sache aus dem Ruder zu laufen und unerklärliche Phänomene werden schnell zur Bedrohung.

Wow, war der Film scary. Ich mag ja solche Geschichten, die in Psycho-Krankenhäusern angesiedelt sind, so z.B. auch House on Hounted Hill. Die damit verbundenen dort durchgeführten Experimente lassen es durchaus plausibel werden, dass dort noch einige Geister ihre Rechnung mit der restlichen Menschheit begleichen möchten. Hier kommt der Mocumentary-Style dazu und holt den Zuschauer noch dichter an das Geschehen heran. Auch wenn das Prinzip seit Blair Witch Project bekannt ist und nicht mehr in der Form funktioniert, als dass der Zuschauer wirklich glaubt, dass das Gesehene genau so real passiert ist, jagd es einem doch einen gehörigen Schrecken ein, wenn man sieht, wie die Protagonisten durch die verlassenen und dunklen Gänge rennen und immer mehr der Anwesenden verschwinden. Ich kann diesen Film bedenkenlos empfehlen, allenfalls das Ende ist ein kleines bischen holprig, das hätte man ein wenig runder gestalten können. Wertung: 7/10

Rabies

Ein israelischer Film und laut Ansage wohl erst der zweite (nach Waltz with Bashir) aus diesem Land auf dem Festival. Ein Geschwisterpaar, das von zu Hause weggelaufen wird, findet sich hier zu Beginn im Wald wieder, wo die Schwester in einer Grube sitzt nachdem sie hineingefallen ist. Der Bruder wird auf der Suche nach Hilfe von einem Auto einer Gruppe von tennisspielenden Teenagern überfahren, überlebt jedoch und überredet zwei aus dem Auto mit ihm nach der Schwester zu suchen. Weiterhin tauchen bald noch der Besitzer der Falle, ein Rastplatzwächter mit Schäferhund und zwei trottelige Polizisten auf und die ersten Leichen liegen im Wald…

Dies war eine weitere Überraschung. Der Film war mir primär aufgefallen, weil er als einer der ersten angekündigt wurde und mir deshalb in Errinnerung geblieben ist. Da die Beschreibung sich für einen Film aus Israel ungewöhnlich las, hab ich beschlossen, mir diesen anzuschauen und es auch nicht bereut. Die Anlegung der Geschichte hat mich ein wenig an Tucker & Dale vs. Evil aus dem letzten Jahr errinnert, da auch hier wegen Missverständnissen bzw. mangelnder Einsicht einzelner Beteiligter die ersten Toten entstehen. Der Film kann sich jedoch stellenweise nicht entscheiden, ob er sich toternst nehmen will oder ob die zwischenzeitlichen notwendigen Lacher Absicht darstellen sollen. Außerdem sollten die Israelis ihre Minenfelder mal besser einzäunen. Ist ja lebensgefährlich, sowas. Wertung: 8/10

Chillerama

Wow. Dieser Film war einfach großartig und eine weitere Überraschung, auch wenn ich ihn im Vorfeld schon als positiv wahrgenommen hatte. Meine Erwartungen wurden aber mehrfach übererfüllt. Der Film ist laut Aussage eine Hommage an das Kino im Allgemeinen und das Drive-In-Kino im Speziellen. Es gibt hier eine Rahmenhandlung in einem Drive-In-Kino am letzten Spieltag vor der Schließung, welche allerdings primär nur als Transportmittel für die restlichen drei Mini-Filme dient, die dort vorgeführt werden. Hervorzuheben ist hier vor allem der Kinobesitzer, gespielt von Richard Riehle (Tom Smykowski aus Office Space). Das erste enthaltene Feature bestand aus „Wadzilla“, einem Film über Riesenspermien, die äußerst gefräßig sind, danach gab es eine Art Musicalfilm namens „I was a teenage Werebear“ und schließlich (mein Lieblingsteil) „The Diary of Anne Frankenstein“.

Dieser Film war so unheimlich over-the-top, dass es absoluten Spaß gemacht hat, ihn sich anzusehen. Man konnte jeden Moment fühlen, dass es den beteiligten Regisseuren eine Herzensangelegenheit war, diesen Film zu machen und das Endergebnis ist wirklich gelungen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ein derartig guter Film noch kommt, aber ich denke, dass sich dieser zu meinem diesjährigen Favoriten entwickeln könnte. Wertung: 9/10

Zwei der Regisseure, Adam Green und Joe Lynch waren auch zu Gast und erzählten etwas über den Film, alleine das war schon sehenswert und unterhaltsam. Die beiden kamen unheimlich sympatisch und authentisch rüber und saßen eben, als wir nach dem letzten Film gegangen sind, noch mit einigen Leuten auf den Stufen vor dem Kino und haben sich dort unterhalten.

Norwegian Ninja

Den Abschluss bildete heute Norwegian Ninja, eine Art Komödie, die sich um eine Ninja Spezialeinheit der Norweger dreht, die im kalten Krieg die Russen aufhalten soll.

Eigentlich hatte ich im Vorfeld eine gute Einschätzung, jedoch muss ich sagen, dass der Film dem nicht wirklich gerecht wurde. Zum Einen war die Kameraführung unheimlich unangenehm und zum Anderen war der Humor nur stellenweise wirklich zündend. Es gab zwar eine Menge guter Ideen, so z.B. die Verwendung von völlig offensichtlichen Modellen bei Landschaftsaufnahmen oder die völlige Überzeichnung des Leiters der Ninjas, jedoch wollte sich das nicht zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügen.  Das Konzept errinnerte ein wenig an „Men who stare at Goats“, bei dem ebenfalls eine absurde Spezialeinheit ausgebildet wird, in dem aber der Humor wesentlich besser funktioniert. Norwegian Ninja hat mich jedoch eher enttäuscht. Wertung: 4/10

Morgen ist dann der allerletzte Tag, vier Filme noch, dann ist das Jubiläumsjahr für mich vorbei.

  • The Valdemar Legacy 2
  • Wasted on the Young
  • Deadheads
  • Attack the Block

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.