Fantasy Filmfest 2011, Tag 4

Und ein weiterer Tag ist vergangen, den ich im Kino verbracht habe. Die heutigen Filme im Überblick:

The Innkeepers

Der erste Film des Tages war einer derer, auf die ich mich im Vorfeld sehr gefreut habe und ich wurde auch nicht enttäuscht. Der Regisseur Ti West war bereits vor zwei Jahren mit zwei guten Filmen auf dem Festival vertreten, zum einen Cabin Fever 2 und den von mir sehr geschätzten House of the Devil, dementsprechend hatte ich auch eine gewisse Erwartungshaltung. Diese wurde auch nicht enttäuscht.

Der Film handelt von einem Hotel, welches bald abgerissen werden soll. Am letzten Wochenende an dem es geöffnet ist, sind noch zwei Angestellte, Claire und Luke, im Haus, die die wenigen verbliebenen Gäste versorgen (sollen). Die beiden vertreiben sich ihre Zeit allerdings mehr damit, angebliche Spukereignisse im Haus zu ergründen, was kein gutes Ende zu nehmen verspricht.

Zu Beginn errinnert einen, wie ich bereits auf Twitter gelesen habe, die Szenerie sehr an „Clerks“ im Hotel. Die beiden Angestellten vertreiben sich die Zeit mit Belanglosigkeiten und veranstalten eine Menge Blödsinn in den leeren Räumen. Im weiteren Verlauf nimmt der Film dann allerdings ernstere Töne an. Die Mischung ist meiner Meinung nach sehr gut gelungen, ich hatte enorm viel Spaß und trotzdem war das Ende überaus gruselig. Wertung: 8/10

Get Shorty

Als inoffizieller Vorfilmaussucher der Nacht im Universum konnte ich mir auch dieses Jahr die Kurzfilmreihe nicht entgehen lassen. Und es waren wieder so einige großartige Werke dabei.

The Unliving (Återfödelsen)

Eine Zombieapokalypse in Schweden. Die Schweden sind aber clever und lassen die Zombies dank eines neuen Medikamentes für sich arbeiten. Einer der dafür zuständigen „Ärzte“ bekommt allerdings einen Gewissenskonflikt. War ganz nett anzuschauen, allerdings etwas lang (ca. 30 Minuten) und inhaltsarm. Die Idee an sich ist jedoch gut.

Hungry Hickory

Ein neuer Film des Machers von „He dies at the End“. Ein irischer Kurzfilm, in dem eine junge Frau von einer Tür am Fußende des Bettes in einer alten Pension belästigt wird. Erzeugt mit sehr einfachen Mitteln einen hohen Suspense-Faktor und ist einfach nur klasse :-)

Dance with the Devil (La Terrible Malediction)

Eine Frau liefert sich ein Wettrennen mit einem Zombie, der nicht mehr so richtig Lust auf seine Tätigkeit hat. Unterhaltsame Komödie, die mit der vierten Wand spielt und dadurch hohes Interesse hervorruft. Hat allerdings ein paar Längen.

Sabrina

Ein mit sehr niedrigem Budget gedrehter Film, der von einem Mann erzählt, der mit seinem „Mitbewohner“ nicht mehr zufrieden ist und ihn wegen seiner neuen „Freundin“ loswerden will. Klasse Idee, super umgesetzt.

Bloody Christmas 2 – The Rise of the Christmas Trees

Die Fortsetzung eines Kurzfilms, der von der Rache der Weihnachtsbäume erzählt. Diesmal wird einer rücksichtslos überfahren, woraufhin er sich an der Autofahrerin rächt und kurz darauf das Krankenhaus, in dem sie eingeliefert wurde, in ein Blutbad verwandelt. Durchaus kurzweilig und unterhaltsam.

The Peacock’s Eye (L’Oeil du Paon)

Ein französischer Stock-Motion Film, von einem Mann und einer Frau und vielen Trophäen an der Wand. Leider fehlten hier die Untertitel, sodass man nicht so richtig folgen konnte, aber mir kam der Film auch so sehr langatmig und anstrengend vor.

Judas & Jesus

Ein deutscher animierter Kurzfilm, der die Geschichte von Jesus… ziemlich respektlos erzählt :D Leider gab es nach einigen Minuten technische Schwierigkeiten mit der DCP-Kopie, aber evtl. wird, wenn eine neue Kopie beschafft werden kann, der Film nochmal nachgeholt. Das was ich aber gesehen habe, war definitiv ein Highlight.

Blood Snow

Ehm… ein Film über die Eigenschaft von Blut als künstlerisches Gestaltungsmittel im Schnee. Ein wenig merkwürdig, aber ganz nett.

Brutal Relax

Ein weiteres Highlight. Ein offenbar zu Gewaltausbrüchen neigender Mann wird von seinem Arzt in den Urlaub geschickt. Am Strand wird er leider von einer Horde Wassermonster überrascht, die die anderen Urlauber dezimieren. Das lässt ihn ziemlich kalt, aber als seine Musik auf dem Walkman nicht mehr läuft, reicht es ihm und die Wassermonster haben ein Problem.

Superlustiger Film für alle Freunde von viel Blut und Körperteilen. Mein Sitznachbar gehörte offenbar nicht zu der Gruppe, er schaute etwas entgeistert, als (Vorsicht, Spoiler) der Mann die Wassermonster mit den Resten von einem Kind verprügelte. Sah aber lustig aus :D

Julia X – 3D

Mein zweiter 3D Film bei diesem Festival und anders als „Hybrid 3D“ letztes Jahr, kein schlechter: Ein Internetdate von Julia geht etwas schief, als sie in die Fänge eines sadistischen Killers, gespielt von Kevin Sorbo, gerät. Jedoch hat dieser keine Ahnung, worauf er sich eingelassen hat.

Viel mehr sollte man nicht verraten, da es so einige Überraschungen für den Zuschauer gibt. Mich persönlich hat es ein wenig an „The Loved Ones“ aus dem letzten Jahr errinnert, auch wenn Julia X nicht ganz daran heranreichen kann. Trotzdem ein schöner Film mit okay-en 3D Effekten. Wäre ohne aber auch kein Verlust gewesen. Pop Out Effekte gab es viel zu wenig ;-) Wertung: 6/10

Perfect Sense

Anschließend gab es für mich das Centerpiece. Ein Film über eine Epidemie, die den Menschen weltweit nach und nach die Sinne nimmt. Zunächst verlieren sie den Geruch, danach den Geschmack und schließlich Hören und Sehen. Jede Stufe wird durch massive Gefühlsausbrüche angekündigt. Im Mittelpunkt der Handlung steht ein Paar, Michael und Susan, hervorragend gespielt von Eva Green und Ewan McGregor, die vom Verlust ihrer Sinne nicht verschont bleiben. Jedoch ist das nicht der Kern der Geschichte, sondern vielmehr die Art und Weise, wie die Menschen mit der Situation umgehen. Meiner Meinung nach einer der bewegendsten Darstellungen des Endes der Zivilisation seit langem, die komplett ohne Explosionen oder Zombies auskommt. Ein ruhiger Mittelpunkt des Festivals der für das Centerpiece perfekt geeignet ist. Wertung: 7/10

Jedoch muss ich an dieser Stelle Kritik an der Programmplanung üben, denn in Hamburg lief der Film gegen „Kill List“, der, auch laut Ansage, ebenfalls großartig sein soll, den ich nun allerdings nicht sehen konnte. Es wäre gut, wenn solche hervorgehobenen Filme ein wenig versetzt gezeigt würden – oder, wenn das nicht möglich ist, zumindest wiederholt würden.

Urban Explorer

Die zweite deutsche Produktion dieses Festivals spielt in Berlin und zwar im Untergrund. Der Film handelt von sog. Urban Explorern, die verlassene Tunnel, Industrieanlagen und andere Gebäude untersuchen. Hier begibt sich eine Gruppe von jungen Leuten mit einem Guide in die Tunnel unter Berlin, die größtenteils aus dem zweiten Weltkrieg stammen um zum „Fahrerbunker“ (sic!) vorzustoßen, der ansonsten unzugänglich ist. Leider kommt es zu einem Unfall auf dem Rückweg und auch sonst lauern Gefahren in den alten Tunneln, von denen herrannahende U-Bahn-Züge die kleinste darstellt.

Mich hat der Film ein wenig an „The Descent“ erinnert, da auch hier ein Großteil in der permanenten Dunkelheit unter der Erde spielt. Zwar nicht ganz so gruselig wie dieser, aber dennoch sehr spannend und packend. Der lokale Bezug zu Berlin ist zwar nicht oft zu erkennen, aber mit verschiedenen Details wird man immer wieder daran erinnert, was dem Film auch wenn er auf Englisch gedreht wurde, immer wieder an den Spielort errinnert. Wertung: 7/10

The Veteran

Den Abschluss bildete für mich heute The Veteran. Ein Ex-Fallschirmjäger der Britischen Armee kehrt aus Afghanisten nach London zurück und findet sein Viertel in der Hand von Gangs wieder. Zudem heuert ihn der Geheimdienst an, um islamistische Terrorzellen auszuschalten.

Was ein brutaler Thriller zu werden verspracht, hielt dies auch größtenteils. Auch wenn ich mir nach der Bescheibung im Programmheft noch etwas mehr erhofft habe, ging man hier relativ schnell gut zur Sache. Im Programmheft wurden Bezüge zu „Harry Brown“ und zu Jack Bauer aus „24“ hergestellt, die nicht ganz unberechtigt erscheinen. Als Abschluss des Tages bestens geeignet (auch wenn er mich im Endeffekt 12 Euro fürs Taxi gekostet hat, weil meine Mitfahrgelegenheit zum Hotel bereits vor dem Film gefahren ist). Wertung: 6/10

Morgen, und damit sind wir schon auf der zweiten Seite des Timetables, gibt es dann einige der Filme, die ich am meisten erwartet habe:

  • Hair of the Beast
  • The Dead
  • The Woman
  • Super
  • Largo Winch II
  • Red State

Und wir kriegen Besuch aus der Heimat, yay! ;-)

Ein Gedanke zu „Fantasy Filmfest 2011, Tag 4“

  1. Kurz und knackige Filmbeschreibungen, trotzdem sehr aufschlussreich…weiss jetzt schon ziemlich genau was ich mir ansehe und was nicht….danke!:)

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