Fantasy Filmfest 2011, Tag 3

Und schon wieder ein weiterer Tag vorbei. Die Filme im Einzelnen:

In Your Hands

Ein französischer Entführungsthriller mit Kristin Scott Thomas in der Hauptrolle, der sich mit dem Stockholm-Syndrom auseinandersetzt. Überwiegend spielt der Film in einem einzigen Raum und beschränkt sich auf die Opfer-Täter-Beziehung. In sofern ist er sehr bedächtig erzählt und zieht sich leider ein wenig in die Länge. Für die Mittagszeit kein schlechter Film, da er sehr unaufgeregt ist, man verpasst jedoch auch nicht viel, wenn man ihn nicht sieht. Wertung: 4/10

Yellowbrickroad

Puh. Dieser Film war bisher die größte und unnötigste Enttäuschung dieses FFF bisher. Als ich zuerst davon gehört habe und den Trailer zum ersten Mal gesehen habe, war ich sehr interessiert, diesen Film zu sehen. Auch die Warnungen in den Foren hab ich in den Wind geschlagen, weil mit der Thematik kann man eigentlich garnichts falsch machen. Die Prämisse ist auch gar nicht schlecht: Vor vielen Jahren verschwanden die Einwohner eines Dorfes in New Hampshire, nachdem sie sich alle auf einen kleinen Pfad ins Gebirge begaben. Viele Jahre danach, quasi heute, macht sich eine Gruppe von, nun ja, Leuten, auf, um dieses Geheimnis zu untersuchen.

Im folgenden könnten einige Spoiler vorhanden sein: Leider wird das Potenzial überhaupt nicht genutzt. Die Gruppe kommt in der Stadt an, in der komischerweise GPS und Kompass verrückt spielen. Nach ein wenig Überzeugungsarbeit gewinnen sie die Popcornverkäuferin des lokalen Kinos dazu, ihnen den Pfad zu zeigen und sie machen sich auf, dem Pfad zu folgen. Unterwegs beginnt plötzlich Musik aus den 40er Jahren, dem Zeitraum des Verschwindens, zu ertönen. Ja, mitten im Wald. Ohne Grund. Uhh, scary. Mag es jedenfalls gemeint sein – ist es nur leider nicht, es wirkt völlig deplaziert und blöde. Die Gruppe wandert dann immer weiter durch die zugegeben schönen Landschaften, bis der Kartograph seiner Frau ein Bein abhackt, weil die ihm den zuvor gefundenen alten Hut weggenommen hat. Von da an eskalieren die Ereignisse vor sich hin, die einem aber völlig egal sind, weil der Film bis dahin schon alles falsch gemacht hat, was möglich war. Vom Schicksal der Dorfbewohner erfährt man nichts, jedenfalls nichts aussagekräftiges. Am Ende gibt es dann noch einen halbherzigen Erklärungsversuch, der aber total aufgesetzt wirkt und nichts mehr retten kann. Wertung: 2/10 (wegen der Landschaften und der Grundthematik)

A Lonely Place To Die

Als Entschädigung gab es danach einen hervorragenden Thriller, der im Norden Schottlands spielt. Es geht um mehrere Bergsteiger, die in der Einsamkeit der Highlands ein kleines Mädchen in einem Erdloch finden, die dort offenbar gefangen gehalten wird. Wie es gute Briten nunmal machen, beschließen diese das Kind zu retten und ins nächste Dorf zu bringen, was sich als nicht so einfach darstellt, da der normale Weg etwa 20 Kilometer beträgt. Es gibt jedoch eine Abkürzung über eine Steilwand, sodass die Gruppe sich aufteilt und zwei der Bergsteiger, die Steilwand hinabsteigen wollen um die Polizei im Dorf zu informieren. Leider haben die beiden Entführer, die das Mädchen in das Erdloch verbracht haben etwas dagegen und beginnen die Gruppe zu dezimieren.

In diesem Zeitslot musste ich lange überlegen, ob ich mir Hesher anschaue oder eben A Lonely Place To Die. Offenbar war Hesher ebenfalls sehr gut, sodass man sich gar nicht falsch entscheiden konnte. Ich habe mich jedenfalls sehr gut unterhalten gefühlt und die großartigen Landschaftsaufnahmen im Verlauf des Films waren Grund genug, sich diesen im Kino anzusehen. Aber auch die Geschichte ansich war spannend und mit guten Darstellern besetzt. Definitv zu empfehlen. Wertung: 9/10

Hell

Als vorletzten Kandidaten gab es eine deutsche Produktion, die komplett ausverkauft war.Die Dystopie erzählt von einer möglichen Zukunft im Jahre 2016, in der auf Grund von Sonnenstürmen die Temperatur ansteigt und die Erde kaum noch bewohnbar ist. Die Sonne blendet extrem bei Tag und verbrennt Pflanzen und schädigt Menschen, die sich zu lange darin aufhalten. In dieser Zeit ist eine junge Frau mit ihrer kleinen Schwester und einem Mann in dessen Auto unterwegs, auf der Suche nach einer besser bewohnbaren Zone. Die Reise wird jedoch jäh von der örtlichen Landbevölkerung unterbrochen, die etwas gegen ihre Weiterfahrt einzuwenden hat.

Ein deutscher Genrefilm ist schon eine bemerkenswerte Seltenheit, zumal dieser Film durchaus hochkarätig besetzt ist. In den Hauptrollen finden sich Hannah Herzsprung und Angela Winkler. Auch ansonsten ist dieser Film durchaus positiv zu erwähnen. Auch wenn die Geschichte an sich nicht besonders neu oder originell ist, schafft sie es, gut zu unterhalten. Der Einsatz der Wackelkamera ist entgegen den -gefühlt- vielen Stellen im Trailer erfreulich gering und die überbelichteten Szenen in der prallen Sonne sind ebenfalls nicht übermäßig häufig eingesetzt. Besonders schön fand ich, dass man Deutschland als Handlungsort an kleinen Details wie einer Tankstelle oder Produktnamen erkennen konnte, was eine willkommene Abwechslung zu den üblichen Spielorten – Großbritannien und den USA – darstellt.

Die Vorführung fand in Anwesenheit des Regisseurs statt, der vor allem auf Grund seiner Aufregung vor dem Publikum zu sprechen sehr sympatisch wirkte. Im Anschluss gab es noch ein Q&A mit dem Regisseur und seinem Co-Autor, das insgesamt recht aufschlussreich war. So wissen wir nun, dass die Dreharbeiten nicht für einen Waldbrand auf Korsika verantwortlich waren ;-) Gut fand in die Reaktion des Regisseurs auf eine Frage bezüglich der Aussage des Films. Er bezog sich dabei auf ein Interview mit dem jungen Roman Polanski, der auf die gleiche Frage geantwortet haben soll: „Wenn ich eine Nachricht transportieren wollte, wäre ich bei der Post.“ Wertung: 8/10

Saint

Den Tagesabschluss bildete schließlich Saint, ein schöner niederländischer Weihnachts- Nikolausfilm. Laut diesem Film war St. Nikolaus kein freundlicher Mann der Geschenke verteilt, sondern ein böser Bischof, der am 5. Dezember Kinder ermordet und mitnimmt. Leider fanden das im 16. Jahrhundert die Leute nicht so lustig und zündeten ihm sein Boot mit ihm drauf an. Seitdem kommt er immer dann zurück, wenn am 5. Dezember Vollmond ist. Im heutigen Amsterdam passiert dies leider wieder einmal und verschiedene Einwohner, allen vorran ein Schüler, der auf dem Weg zu einem Auftritt als Nikolaus ist sowie ein Polizist, der bei dem vorherigen Nikolaus-Vollmond-Zusammentreffen seine Familie verloren hat, machen sich auf, dem Treiben ein Ende zu bereiten.

Saint war eine kurzweilige schwarzhumorige Horror-Komödie, die für die Midnight Madness Reihe genau richtig war. Ein mordender Nikolaus, Niederländer mit ihrer lustigen Sprache (Sorry! :D ) und ein paar hübsche Nebendarstellerinnen. Zudem noch besonders spaßig mit einem Publikum das bei den entsprechenden Szenen auch noch lacht. Definitv eine Empfehlung wert. (Wäre vielleicht auch was für die ENiU im Dezember, @n0d0n. Hint Hint. :-) ) Wertung: 7/10

So weit für heute. Morgen gibt es dann:

  • The Inkeepers
  • Get Shorty
  • Julia X – 3D
  • Perfect Sense
  • Urban Explorer
  • The Veteran

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