Eine Reise in die Hauptstadt

Zwei sogar. Diese und letzte Woche war ich in Berlin – wo gerade die Berlinale ist – Hey, so ein Zufall! – Nicht ganz :)

Die ganze Geschichte begann einige Wochen vorher, wo ich über Twitter davon erfuhr, dass vom Fangoria Magazin am 12.02. ein Screening der restaurierten Fassung des 80er-Jahre 3D Italo-Westerns „Comin‘ at ya!“ oder zu deutsch „Alles fliegt dir um die Ohren“ in digitalem 3D im Cinestar am Potsdamer Platz stattfindet. Ich hatte da bereits kurz darüber nachgedacht, dass mich das interessieren würde, jedoch wurden die Planungen erst konkreter, als ich in Jan jemanden gefunden hatte, der mit kam. Zwischenzeitlich stellte sich zudem noch heraus, dass auf der Berlinale eine restaurierte Fassung von Taxi Driver in 4k Projektion gezeigt werden solle. Das ist natürlich ein sehr guter Grund hinzufahren. Jan konnte auf Grund hervorragender Kontakte auch schon frühzeitig die Screening-Termine herausfinden und somit für Planungssicherheit sorgen. Schließlich konnten in Johannes und Sascha noch zwei weitere Interessierte gefunden werden, die auch Zeit hatten. Das Beschaffen der Karten hierfür war allerdings kein Spaß, nicht zuletzt wegen dem langsamen und instabilen Buchungssystem (Danke, eventim! Nicht.).

#1

Bei der ersten Reise fuhren wir morgens um 9 Uhr bei mir los und waren nach einem Frühstück bei McDonalds in Sulingen am WestPoint bereits um 14:00 Uhr in Berlin im labyrinthartigen Parkhaus des Sony Centers. Nach einem kleinen Spaziergang, welcher uns kurzzeitig verlaufensbedingt ins Pressezentrum im Berlinale-Palast führte, gingen wir dann zu den Arkaden um die Karten für Taxi Driver am 19. abzuholen. Nach einem kurzen Besuch im Kino, wo am Abend um 19:00 dann die Vorstellung von „Comin‘ at ya!“ stattfinden sollte und der Erkenntnis, dass hier niemand Bescheid wusste, gingen wir danach wie geplant in die deutsche Kinemathek, das Film- und Fernsehmuseum im Sony Center. Der Besuch ist übrigens jedem Berlin-Reisenden sehr empfohlen, es ist überaus interessant, was dort alles über die fast schon in Vergessenheit geratenen Glanzzeiten des deutschen Films zu erfahren ist.

Nach einem weiteren Zwischenstop im Kino, wo immer noch nichts neues zu erfahren war, einem Besuch bei Dunkin‘ Donuts, wo es leckere Donuts gab, einem weiterem Besuch im Kino, wo es immer noch nichts neues gab und einer Kaffeepause gingen wir dann gegen 18:00 Uhr erneut ins Kino und erfuhren dann endlich, dass die Vorstellung tatsächlich stattfindet, jedoch n0ch niemand vom Verleih da ist, der das Screening organisiert und die Besucherliste hat. Um zehn vor sieben, also etwa 10 Minuten vor dem geplanten Beginn erschien dann eine Verantwortliche, die zwar eine Liste, jedoch keine Karten hatte, ohne die kein Einlass möglich war. Als diese etwas später dann auch vorlagen, wurden diese ziemlich kreativ verteilt – quasi jedem in die Hand gedrückt, der selbige hin hielt und eine Anzahl nannte.

Praktischerweise fand im gegenüber des Saal 2 liegenden Saal 8 ebenfalls eine Vorstellung statt, so dass beide nicht ganz kleinen Menschenmengen direkt ineinander übergingen – sehr zum Leidwesen derjenigen, die versuchten einen dahinterliegenden Saal oder die sanitären Einrichtungen zu erreichen. Schließlich konnte man dann in den Saal hienein und die Vorstellung konnte beginnen.

Comin‘ at ya!

Der Inhalt des Films ist völlig naheliegend – eine Bande von Verbrechern nahe der mexikanischen Grenze überfällt Dörfer, schießt alle über den Haufen und nimmt die Frauen mit um sie nach Mexiko zu verkaufen. Leider geraten sie an den Falschen, als sie einen Cowboy bei dessen Hochzeit am Altar niederschießen und dessen Braut mitnehmen. Dieser begibt sich daraufhin auf einen Rachefeldzug den nicht viele überleben. Dabei geht so einiges zu Bruch, wird zerschossen, explodiert oder – fliegt einem um die Ohren. Der Trailer gibt – zwar nur in 2D – einen guten Eindruck des Films wieder.

Ich war bereits im Vorfeld gespannt darauf, wie ein alter 3D Film auf der aktuellen Technik aussieht. Zunächst in den ersten Minuten wirkte das 3D merkwürdig, insbesondere durch die eingefügten Titel und Namen. Die Augen wussten nicht so recht, worauf sie fokussieren sollten und alles war insich leicht unscharf. Das legte sich dann allerdings relativ schnell, bei anderen 3D Filmen hatte ich das aber bisher nicht. Zudem machte der Film gleich zu beginn, aber auch über die gesamte Laufzeit hinweg, exzessive Verwendung von Pop-Out Effekten. Diese sind heute ja eher verpönt, weil sie den Zuschauer quasi mit der Holzhammermethode darauf hinweisen „Das hier ist jetzt 3D!!!“. Durch diesen übertriebenen Einsatz wirkte der Effekt weit weniger störend, da er allgemein zur Überzeichnetheit des Films und seiner Handlung beitrug. Einzig blieb das Problem, das auch heute noch bei dem Effekt besteht und am Konzept selbst liegt – das Auge hat Probleme sich auf die Objekte zu konzentrieren. Wenn einem ein Stab oder eine Pistole entgegenragt und man konzentriert sich auf die Leinwand, verpufft der Effekt nahezu, weil das Objekt kaum wahrgenommen wird. Man muss sich schon bewusst auf die Pistole o.ä. konzentrieren, damit man wahrnimmt, wie sehr einem dies entgegenragt, das passiert nicht automatisch. Trotzdem macht es einfach unheimlichen Spaß wenn einem eine Mistgabel die jemand im Bauch stecken hat ins Gesicht ragt oder, was zweimal passiert, der Regisseur offenbar einen großen Spaß daran hat, Bohnen, Steinen oder ähnlichen kleinen Gegenständen dabei zuzuschauen, wie sie auf die Kamera regnen – bzw. dem Publikum ins Gesicht. Das gleiche gilt für Fledermäuse und meine Lieblingsszene, in der einer Protagonisten reihenweise Ratten von jemandem sammelt um sie dann in die Kamera zu werfen.

Technisch war die restaurierte Fassung sehr gut, die Bildqualität war sehr hoch und die Farben wirkten, soweit ich das beurteilen kann, natürlich und passend. Ansonsten war ich sehr überrascht, wie gut die Konvertierung auf digitales 3D funktioniert hat. Auch in den Szenen, die keine Pop-Outs enthielten wirkte alles sehr plastisch.

Alles in allem hat mir der Film viel Spaß gemacht und ich wäre froh, wenn sich ein Verleih findet, der eine erneute Kinoauswertung in Deutschland ermöglicht. Dieser Film ist einfach für 3D gemacht und verliert viel Potenzial, wenn man ihn in 2D auf dem Fernseher zu Hause anschaut.

#2

Gestern stand dann die zweite Reise an, in den Friedrichstadtpalast, um Taxi Driver in seiner restaurierten Fassung zu sehen. Nach einem erneuten Frühstück bei McDonalds holten wir Sascha in Wolfsburg ab und kamen dann gut zwei Stunden vor Beginn in Berlin an. Diesmal war die Anfahrt etwas komplizierter, da der Weg zum Friedrichstadtpalast – auch baustellenbedingt – nicht ganz so einfach ist wie zum Sony Center. Auf dem Parkplatz angekommen beschlossen wir dann zu einem Imbiss zu Dunkin Donuts zu gehen (Ja, ich steh total drauf :-) ) und uns dann in den Friedrichstadtpalast zu begeben. Allein schon das Foyer ist beeindruckend. Nach kurzer Wartezeit begann dann der Einlass und ich bin immer noch froh, dass wir pünktlich da waren, der Andrang war recht groß. Wir kamen relativ zugig in den Saal und sicherten uns – wie ich fand – perfekte Plätze (Mitte/Mitte). Die folgenden Minuten konnten wir dann beobachten, wie der Saal sich füllte und wie ärgerlich es gewesen wäre, zu spät zu kommen – denn immer mehr Besucher mussten weit außen oder weit vorne Platz nehmen. Gerade zweiteres ist bei einer etwa 10 Meter hohen Leinwand nicht besonders angenehm.

Taxi Driver

Taxi Driver stellt dar, wie der isoliert lebende New Yorker Taxifahrer Travis Bickle zunehmend in den Wahn verfällt, die New Yorker Straßen vom Abschaum zu säubern. Nachdem er von der Wahlkampfhelferin Betsy verschmäht wird und beobachtet, wie eine minderjährige Prostituierte – offenbar gegen ihren Willen – aus seinem Taxi gezerrt wird, eskaliert die Situation vollends.

Der Film von Martin Scorsese mit Robert de Niro in der Hauptrolle ist inzwischen 30 Jahre alt und trotzdem immer noch grandios. Die Bilder wirken in der 4k Projektion auf einer so großen Leinwand fesselnd und spannend über die gesamte Laufzeit. Zudem war die Entscheidung ihn am Samstag um 15:00 Uhr zu gucken offenbar genau richtig, denn die Uraufführung am Donnerstag um 21:00 Uhr fand auf Grund von technischen Problemen anscheinend nur in 2k statt. Zusätzlich sei auch noch die Projektions- und Audiotechnik im Friedrichstadtpalast hervorgehoben. Beides sorgte für ein großartiges Erlebnis.

Epilog

Das war also meine erste Berlinale. Ich hab zwar nur zwei Filme gesehen, einer davon auch nur im Rahmen des Parallel stattfindenden European Film Market und beides keine neuen Werke sondern „nur“ restaurierte Filme, jedoch war ich schwer beeindruckt. Insbesondere auch die Athmosphäre, die überall in der Umgebung der Spielorte vorherrschte war interessant. Die gesamte Umgebung der Festivalkinos wird durch die Berlinale beeinflusst, man merkt auch als Passant, dass da ein Filmfestival stattfindet. Ich könnte mir durchaus vorstellen in den kommenden Jahren auch zu anderen Vorstellungen zu fahren, dann aber an zusammenhängenden Tagen und mit nur einer Hin- und Rückfahrt.

Jetzt steht auch bald schon das nächste Ereignis an, die Fantasy Filmfest Nights. Es wird also auf keinen Fall langweilig.

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