Das Wort zum Sonntag. Und zum Freitag.

Dieses Wochenende war wieder einmal von Kinobesuchen geprägt, das Ergebnis war durchwachsen.

Freitag gab es zunächst also Resident Nett Evil. Dazu waren wir mal wieder in Bremen im Cinespace im Saal 3. Für 3D in meinen Augen hier in der Gegend die Referenz, da ehemaliger IMAX Saal mit irre großer Leinwand und extrem großen Brillen, die das gesamte Sichtfeld abdecken. Haben trotz recht später Reservierung am Freitag auch noch akzeptable Plätze bekommen und nach einem kurzen Imbiss bei KFC gings dann, dank vorher abgeholter Karten an der langen Schlange vorbei direkt zum Kino.

Im Kinosaal gab es zunächst große Aufregung. Neben dem einen leeren Platz neben mir saßen mehrere Herrschaften, die von anderen herbeieilenden Menschen darauf hingewiesen wurden, deren Plätze zu besetzen. Diese jedoch signalisierten mit Hilfe ihrer Karten, dass sie ein Anrecht auf eben diese Plätze hätten. Offenbar gab es hier also den Fall, dass die Sitze mehrfach verkauft wurden und so zog einer der zweiten Gruppe nach draußen vor den Saal zum Einlassaufseher um die Situation zu klären. Seine Begleitung setzte sich mitsamt ihrer beutelartigen riesigen Tasche, einem Eimer Popcorn und einem Becher Cola unter dem Arm in den leeren Sitz neben mir. Wenige Augenblicke später kam jedoch der soeben Gegangene wieder und teilte ihr quer über die Sitzreihen mit, dass sie für Samstag reserviert hätte und schließlich zogen beide von dannen und ich hatte meinen leeren Sitz wieder.

Kurz darauf begann dann die Werbung. Und hier muss ich nun, um es mit Worten von Max Goldt zu sagen, „harte Worte“ benutzen. Ich bin es ja mittlerweile gewohnt, diese Anti-Werbung von klarmobil mit diesem brüllenden Hinterwäldler zu ertragen. Ich weiss nicht, welcher betrunkene, koksende, heroinabhängige Werbemensch auf die Idee gekommen ist, aber ich akzeptiere das. Was ich aber nicht mehr akzeptiere, ist der aktuelle 10-, ja wirklich, 10-minütige Werbekurzfilm von Hornbach, den ich mir nun zweimal, nämlich Freitag – und, ich greife vorweg – Sonntag ansehen musste. Das kann doch nun wirklich nicht deren Ernst sein. Kalkulieren die NUR mit Leuten, die einmal im Jahr ins Kino gehen und denen das nicht auffällt?

Resident Evil – Afterlife

Nun, kommen wir zum Film. Meine Erwartungen waren nicht hoch. Ich hatte noch gut in Errinnerung was für eine Vollkatastrophe Resident Evil 3 gewesen ist. Der Film ging meiner Erinnerung nach etwa 70 Minuten und man saß am Ende da und fragte sich warum die das Ende vergessen hatten. Nun kenne ich die Antwort: Weil sie das für den Anfang von Teil 4 brauchten.

Zu Beginn gibt es eine Opening-Sequenz, mit der der Film viele Plus-Punkte bei mir gesammelt hat. Eine Szene im Regen auf dieser berühmten riesigen Kreuzung in Tokyo. Jede Menge Leute mit Regenschirmen und mittendrin eine junge Frau mit roten Schuhen und ohne Schirm. Die Kamera wandert über den Platz, folgt verschiedenen Leuten und zeigt das ganze Geschehen. Ich verrate denke ich nicht zuviel, wenn ich nun erwähne, dass die erwähnte Frau vom T-Virus befallen ist und schließlich einen Passanten anfällt. Ich für meinen Teil fand die gesamte Szene unheimlich stilvoll und symbolbehaftet. Gerade die Tatsache, dass die Leute mit Regenschirmen herumlaufen und diese denen trotzdem nicht wirklich helfen bietet Parallelen zur Umbrella-Corporation. Aber vielleicht interpretiere ich da auch zuviel.

Anschließend beginnt Teil 4 da, wo Teil 3 aufgehört hat. Viele Alice-Klone greifen die Tokyo-er Zentrale von Umbrella an und richten eine nette Verwüstung an. Dieser Handlungsstrang mündet dann darin, dass eine Alice ihren Nemesis für diesen Film trifft und sich schließlich auf die Suche nach der Gruppe von Überlebenden begibt, die sie in Teil 3 in der Wüste verlassen hat.

Nunja. Die gesamte Story in Tokyo gefiel mir sehr. Sowohl die eben beschriebene Opening Sequenz, als auch die Kämpfe im dortigen Hive. Was danach kommt, hat diesen Eindruck jedoch stark zunichte gemacht. Die Handlung flachte nachdem Alice sich auf die Suche nach Arcadia (tolles Wort, nicht? Kam so selten vor…) machte, konstant ab und wurde über weite Strecken eher belanglos. Zudem gingen mir die zahlreichen Blenden über Schwarz ziemlich auf die Nerven, die hier unnötig in die Länge gezogen waren und dadurch vermutlich Abschnittswechsel andeuten sollten. Einzig der Kampf gegen den großen Zombie mit dem Fleischerhammeraxt-Ding war noch erwähnenswert. Danach gab es dann noch einen WTF-Moment, als man gegen Ende das innere und das äußere des Schiffs sehen konnte und sich gefragt hat… „Wo zur Hölle sind diese riesigen Hallen in diesem Schiff?“.

Alles in allem kein besonders guter Film. Dank der Anfangsszene geb ich ihm allerdings noch 5/10.

The American

Sonntag waren wir dann Mittags um 12 in Osnabrück im Cinema Arthouse und haben The American geguckt. Auf der Hinfahrt wurde mir wieder mal klar, dass ich über den Film nichts wusste, außer das George Clooney mitspielt. Ein kurzer Hinweis auf den Trailer brachte allerdings grobe Errinnerungsfragmente zurück. Clooney spielt einen Auftragskiller, der sich in ein kleines italienisches Bergdorf zurückzieht, um sich vor Verfolgern zu verstecken. Während er dort ist, erhält er den Auftrag, ein Gewehr zu verbessern. Zudem lernt er den eine Prostituierte und den Dorfpfarrer kennen. Im Verlauf des Films kommen ihm dann Zweifel an seinem bisherigen Leben und er beschließt sich zur Ruhe zu setzen.

The American ist ein unheimlich ruhiger aber trotzdem über die gesamte Laufzeit spannender Thriller. Ich habe mittendrin mal gedacht „und nun schauen wir wieder zu, wie George Clooney durch die Gassen der Stadt läuft“ und das charakterisiert den Film sehr gut. Es gibt lange Sequenzen, in denen er durch kleine, enge Gassen in der Stadt läuft und immer eine gewisse Bedrohlichkeit suggeriert wird. Zudem beherrscht der Regisseur die Arbeit mit Licht und Schatten unheimlich gut. So kommt in den Außenszenen sehr viel Athmosphäre durch die Verwendung von fahlem Licht bei Nacht zu Stande.

Eine Schlüsselszene, die hervorzuheben ist, findet in einem fast leeren Café statt. Im Hintergrund läuft hier auf einem Fernseher der Sergio Leone Klassiker „The Good, the Bad and the Ugly“. Hierdurch werden beide Filme in direkte Beziehung gesetzt und in die Nähe der alten Western gerückt, als eine Art moderne Adaption. Zudem bekommt der Begriff Italo-Western einen ganz neuen Aspekt.

Ein Kritikpunkt, der mir im Nachhinein in den Sinn gekommen ist, bezieht sich auf die Story bzw. das Charakterdesign. Wer der Bösewicht ist, wird viel zu schnell klar und man ahnt bereits nach etwa der Hälfte was dieser vor hat. Trotzdem überrascht das Ende. Es empfiehlt sich zudem bei der letzten Szene vor dem Abspann besonders gut hinzusehen, sonst geht einem eine sehr schöne Symbolik verloren. Bei uns war das Bild leider so unscharf, dass man mühe hatte, diese zu erkennen. Wertung: 8/10.

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