Die neu entdeckte Privatsphäre

Nachdem ich vor kurzem schon einen Artikel im Kontext der StudiVZ AGB-Änderung geschrieben hab, möchte ich nun mal ein paar Worte über die von mir beobachteten Reaktionen der dort Registrierten verlieren.

Vereinzelt konnte man schon vor der AGB-Änderung sehen, dass manche Leute so clever waren, die Sichtbarkeit ihres Profils einzuschränken. Das kam zwar nicht oft vor, aber immerhin. Diese Leute schienen zumindest begriffen zu haben, dass man seine persönlichen Daten nicht einfach so irgendwohin wirft.

Nun, nachdem ein Aufschrei in Form von „Oh nein, Sie nehmen meine Daten und machen personalisierte Werbung“ durch die Reihen der Registrierten gegangen ist, nehmen diejenigen zu, die sich offenbar Gedanken über die Verbreitung ihrer Daten machen. Die große Frage ist: Warum eigentlich?

Sind eben diese Leute – die Mehrzahl der Deutschen Bevölkerung – nicht eben diejenigen, die sonst der deutschen und internationalen Industrie ihre Daten frei Haus servieren? Sind es nicht genau diejenigen, die sich um jede noch so bescheuerte Bonuskarte und Ermäßigungskarte reißen? Was genau glauben die, was die ausgebenden Firmen mit ihren Daten tun? Diese Karten haben – wie hoffentlich schon der eine oder andere weiss – keinen anderen Zweck um genau zu wissen, was der Kunde gekauft hat, wann er es gekauft hat und ggf. wie oft und wo. Und diese Daten werden genutzt. (Ich weiss zwar nicht ob man das nochmal sagen muss, aber ich hab immer das Gefühl, dass die Mehrzahl der Nutzer dieser Karten das nicht weiss oder nicht wissen will.) Diese Daten werden verknüpft mit anderen Daten. So dürfte es die Krankenkasse sehr interessieren, dass ihr Kunde rauhe Mengen Alkohol kauft oder Zigaretten obwohl im Tarif vereinbart wurde, man sei Nichtraucher. Es interessiert einen potentiellen Arbeitgeber genauso ob er einen möglichen Alkoholiker einstellt oder nicht.

Okay, genug abgeschweift, zurück zum Thema: Im StudiVZ ist es nun so, dass einige Menschen so clever waren, ihren Namen zu verschleiern. Manche kürzen ihren Nachnamen ab, andere verunstalten ihren Namen komplett zu etwas unlesbaren, wieder andere verwenden Spitznamen. Ihr Profil (in der Regel nicht eingeschränkt) ist dann allerdings noch gefüllt mit allen Daten die die geneigte Datenkrake so braucht. Adresse, ICQ Nummer, gerne auch Telefon, usw. usf. Diese Leute haben dann offenkundig nicht verstanden, wo das Problem liegt. Man kann ziemlich genau jeden halbwegs eindeutigen Schlüssel nutzen, um Informationen zu verknüpfen. ICQ Nummern eignen sich da z.B. auch sehr gut zu.

Ein wesentlich sinnvollerer Ansatz wäre einfach seinen Datenmülleimer nicht direkt im StudiVZ auszuleeren und dort alle Felder auszufüllen die es gibt. Warum müssen andere Leute die Lieblingsbücher/-filme/-zitate/-farbe/ -badeschaumsorte/-keksgeschmack/-jahreszeit/… wissen? Warum muss jeder dort jeden Mist angeben? Es ist irgendwie traurig zu beobachten, wie die Leute mit ihren eigenen Daten umgehen. Und sei es aus Unwissen.

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